Bericht über letzte Ratssondersitzung im Essener Rathaus

Eine kleine Fleißarbeit, die ein auf Transparenz bedachtes Bürgerpublikum nur willkommen sein kann, stellt eine Ratsniederschrift der Ratsgruppierung „SchönerLinks“ dar, die mit Regelmäßigkeit die Ergebnisse und den Verlauf der Ratssitzungen veröffentlicht. Zwar besteht die Möglichkeit, die gesamte Ratssitzung über die Stadtseite www.essen.de auch nachträglich zu betrachten, seit einiger Zeit werden die Ratssitzungen gefilmt und auch „live“ über das Internet angeboten, eine komprimierte Zusammenfassung der Ergebnisse bietet die Stadt jedenfalls bisher nicht an. Der Leser muss bei der von „SchönerLinks“ angebotenen „Dienstleistung“ zwar eine durch die Ausrichtung der Partei gegebene Wahrnehmung hinnehmen, was dem „mündigen“ und urteilsfähigen Bürger, um an die faktischen Ergebnisse zu kommen, leicht fallen sollte.

Hier zu der Veröffentlichung, bitte anklicken!

Vielleicht animiert dieses Beispiel ja auch andere Parteien, oder die Verwaltung, es den „Schönen“ gleich zu tun. Fleiß zahlt sich manchmal ja auch ansonsten aus.

(stk.)

Klagen über nicht ausgehändigte Pakete

Wer ein Paket erwartet, geht davon aus, dass der Auftraggeber den Transport bis zur Haustüre bezahlt hat. Doch diese Erwartung wird häufig enttäuscht, wenn Pakete an Packstationen abgeholt werden müssen. In der Weihnachtszeit scheint dies häufiger der Fall zu sein. Betroffene Leser vermuten System hinter dem Phänomen. 

H. betreibt eine medizinische Praxis in Essen und erwartet eine Sendung mit dringend benötigtem Medizinbedarf. Eine Sendungsmitteilung per E-post ist ergangen und lässt eine termingerechte Zustellung erwarten. Als die nicht erfolgt kommt die Überraschung, eine telefonische Nachfrage bei DHL ergibt, die Sendung sei wegen nicht angetroffenem Empfänger an eine Packstation zur Abholung gegangen. Abgesehen von der Tatsache, dass die Praxis während der Zustellzeit geöffnet war und im Haus ganztägig Personen anwesend waren, ärgert sich die Empfängerin, da keinerlei Benachrichtigung hinterlassen wurde. Das gleiche Spiel wiederholt sich nach zwei Tagen bei der gleichen Empfängerin, als sie ein DHL-Paket mit Kinderspielzeug erwartet. Von Einzelfällen und Vorweihnachtsbelastung zu reden wäre in Anbetracht einer Vielzahl uns hier bekannt gewordener Fälle im Jahresverlauf sicher untertrieben. Wir haben redaktionell bei der Pressestelle der DHL um Auskunft gebeten. Von System mag man dort nicht reden, es müsse sich um Einzelfälle handeln. Eine Einschätzung, die aber nicht einmal von uns befragten Verteilern geteilt wird. Vertraulich berichtet man von vielen Aushilfskräften. Da sei es wohl auch am einzelnen Fahrer gelegen, ob er darauf baut, dass ein Benachrichtigungszettel ja auch verschwinden könne. Hoher Park- und Zeitdruck kämen hinzu. Das DHL dies wohl nicht billige lässt sich nicht abstreiten, aber vielleicht hat das System ein unkontrolliertes Leck, zu Lasten der Empfänger, die genervt in Selbstversorgung die Pakete von den Ladestationen abholen und somit dem Unternehmen unfreiwillig Kosten und Zeit sparen helfen.

Wir werden weiterhin bei DHL um Auskunft bitten und berichten. Dass die Unternehmen dieser Branche ohnehin ihre Kunden versuchen zur Benutzung von Ladestationen zu animieren, ist in diesem Kontext sicherlich wirtschaftlich auch nicht unbedeutend.

Unser Rat an den Verbraucher: Wenn es nicht sehr eilige Waren sind, verlangen Sie eine Nachauslieferung und beschweren Sie sich beim Dienstleister. Die dadurch entstehenden Mehrkosten können sicherlich eine Verhaltensänderung bewirken. Unternehmen müssen halt ihr System unter Kontrolle halten und der Verbraucher kann erwarten, dass der bezahlte Transport auch vollständig durchgeführt wird.

(stk., Foto: Armin Thiemer)

5. Sinfoniekonzert der Essener Philharmoniker

Im Rahmen seiner Künstler-Residenz an der Philharmonie Essen wird Philippe Herreweghe erstmals am Pult der Essener Philharmoniker stehen: In den beiden Sinfoniekonzerten am Donnerstag/Freitag, 14./15. Januar 2016, um 20 Uhr dirigiert der Belgier die Sinfonie Nr. 5, WAB 105, von Anton Bruckner.

„Die fünfte ist meine Lieblings-Bruckner-Sinfonie, speziell das Finale“, betont Herreweghe. Bruckner hat seine fünfte Sinfonie selbst nie gehört; der einzigen Aufführung zu seinen Lebzeiten in Graz knapp 20 Jahre nach dem Beginn ihrer Komposition 1875 konnte er krankheitshalber nicht beiwohnen. Der Dirigent dieser Aufführung, Franz Schalk, berichtete ihm jedoch von der „ungeheuren Wirkung“ auf das Publikum. Bruckner selbst bezeichnete die Sinfonie als sein „kontrapunktisches Meisterstück“.

Der aus dem belgischen Gent stammende Philippe Herreweghe zählt zu den bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit und gehört zu den wichtigsten Protagonisten der historischen Aufführungspraxis. 1970 gründete er das Collegium Vocale Gent, das er seitdem leitet. Das Orchestre des Champs-Élysées wurde 1991 ebenfalls von Herreweghe selbst ins Leben gerufen, zur Interpretation des romantischen und vorromantischen Repertoires auf Originalinstrumenten. Außerdem ist er ein sehr gefragter Gastdirigent bei Orchestern wie dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Leipziger Gewandhausorchester oder dem Mahler Chamber Orchestra.

Karten (Preise: € 16,50 bis 40,70) und Infos unter T 02 01 81 22-200 und www.theater-essen.de.

Im Gespräch: Philippe Herreweghe

Vor dem zweiten der beiden Sinfoniekonzerte kann das Publikum Philippe Herreweghe näher kennenlernen. Am Freitag, 15. Januar 2016, um 17 Uhr im RWE Pavillon stellt der Belgier im Gespräch mit dem Musikjournalisten Christoph Vratz seine Lieblingsstücke vor und berichtet über Prägendes seiner vielschichtigen Musikerlaufbahn. Der Eintritt ist frei.

Titelfoto: Philippe Herreweghe (Foto: Bert Hulselmans).

(ü.  Pm.)

Was das Ruhrgebiet 2016 an „leichter“ Kost erwartet…

Mit dem Titel, „Darauf können wir uns 2016 im Ruhrgebiet freuen!“ hat der RVR etwas freundlichere „Zahlen“ als im Wirtschaftsteil zusammengestellt, die wir unseren Lesern natürlich auch nicht vorenthalten wollen, also hier Stoff für die neuen Kalender:

(idr). Was für Aussichten! Im kommenden Jahr sind die Kultur- und Freizeitkalender im Ruhrgebiet wieder prallvoll mit Terminen. Hier eine kleine Auswahl, von der idr-Redaktion zusammengestellt, um schon mal Vorfreude zu wecken:

Schräg

2014 hatte Helge Schneider seinen Abschied von der Bühne verkündet und sich in der Sierra Nevada eingerichtet. Doch schnell merkte der Mülheimer Komiker, Musiker und Schauspieler, dass er für die Rente noch zu jung ist. Da haben seine Fans nochmal Glück gehabt. Im Ruhrgebiet steht er gleich mehrmals auf der Bühne: am 13. Februar in der Dortmunder Westfalenhalle, am 3. März in der Essener Grugahalle, am 25. August beim Zeltfestival in Bochum und am 19. November in der Oberhausener Arena. Infos: www.helge-schneider.de

* Wunderbar

Höhepunkt der neuen Ausstellung im Gasometer Oberhausen soll die Erde selbst sein. Sie wird als 20 Meter große Kugel im 100 Meter hohen Luftraum zu sehen sein. Bewegte, hoch aufgelöste Satellitenbilder werden detailgenau auf die Kugel projiziert. Die Fahrt im gläsernen Panorama-Aufzug auf das Dach des Gasometers bietet anschließend einen Blick auf den blauen Planeten, wie ihn sonst nur Astronauten erleben. Neben dieser Installation zeigt die Schau „Wunder der Natur“ vom 11. März bis 30. Dezember großformatige Fotos und Filmausschnitte, die bildgewaltig die Intelligenz und Vielfalt des Lebens feiert. Infos: www.gasometer.de

* Elektrisierend

Unter dem Motto „Lassen Sie sich anstecken“ macht das E-Bike Festival Dortmund, Europas größte Veranstaltung dieser Art, vom 15. bis 17. April Lust auf motorisiertes Fahrradfahren. Zahlreiche namhafte Hersteller der Radindustrie und Vertreter des Bike-Tourismus präsentieren ihre Angebote rund um die Reinoldikirche. Besucher haben Gelegenheit, E-Bikes aller Art ausgiebig zu testen. Dafür werden fünf ganz unterschiedliche Versuchsstrecken ausgeschildert, darunter ein eMTB-Testparcours. Infos: www.ebike-festival.org

* Abgefahren

Mit einer großen Schiffsparade startet der KulturKanal am 24. April in die neue Saison. In den vergangenen beiden Jahren lockte das farbenfrohe Spektakel tausende Besucher an die Ufer des Rhein-Herne-Kanals zwischen Gelsenkirchen und Oberhausen. Rund 30 Schiffe beteiligen sich an der Fahrt. Einige Paradeschiffe bieten bereits Tickets für die Mitfahrt an. Infos und Tickets: www.kulturkanal.ruhr/schiffsparade-kulturkanal

* Sportlich

Städtetour der sportlichen Art: Der 4. Vivawest Marathon, der am 22. Mai 2016 wieder startet, verbindet Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gladbeck miteinander. Die Strecke zeigt die Metropole Ruhr von ihre schönsten Seite – mit ihren Parks, Grünanlagen, Industriedenkmälern und einem tollen Publikum. Neben der Marathonstrecke gibt es auch wieder einen Halbmarathon, Kurzdistanzen, Staffeln sowie einen Schüler- und einen Bambinilauf. Infos: www.vivawest-marathon.de

* Rockig

Die zweite Ausgabe des Festivals „Rock im Revier“ steigt vom 26. bis 28. Mai auf dem Gelände der Trabrennbahn Gelsenkirchen. Als Headliner des Events bestätigt sind die Hardrocker Iron Maiden. Weiter zum Line-up gehören Slayer, Sabaton, Mando Diao, Nightwish, In Extremo, Powerwolf und Anthrax. „Rock im Revier“ hat in diesem Jahr seine Premiere in der Arena AufSchalke gefeiert. Es ist der Nachfolger des legendären „Rock am Ring“-Festivals am Nürburgring. Infos: www.rock-im-revier.de

* Bombastisch

Die Bottroper Halde Haniel wird 2016 erneut Schauplatz einer großen Opernproduktion. Die Vorbereitungen für die Inszenierung von Wagners „Fliegendem Holländer“ haben bereits begonnen. Regie wird Thomas Grandoch führen, der im Kulturhauptstadt-Jahr 2010 bereits „Aida“ auf die Halden-Bühne brachte. Für die Orchesterbegleitung wurde die Neue Philharmonie Westfalen gewonnen. Die Premiere ist für den 31. Mai geplant. Weitere Vorstellungstermine: 2., 3., 5., 6., 8. und 9. Juni. Infos: www.bottrop.de und www.facebook.com/hollaender2016

* Kunstvoll

Die dritte Auflage der Emscherkunst verwandelt den öffentlichen Raum entlang der Emscher wieder in eine riesige Ausstellungsfläche. Vom 4. Juni bis 18. September heißt es in Holzwickede, Dortmund, Castrop-Rauxel, Recklinghausen und Herne: „Entdecke die Kunst“ – open air und kostenlos. Präsentiert werden mehr als 25 Arbeiten internationaler Künstler, u.a. die begeh- und bewohnbare Brückenskulptur „Warten auf den Fluss“ der Rotterdamer Künstlergruppe Observatorium. Veranstalter sind Emschergenossenschaft, Urbane Künste Ruhr und Regionalverband Ruhr (RVR). Infos: www.emscherkunst.de

* Kultig

Sie ist das Kulturevent schlechthin im Ruhrgebiet: die ExtraSchicht. Am 25. Juni feiert die Metropole Ruhr zum 16. Mal die lange Nacht der Industriekultur. Im Mittelpunkt stehen die industriellen Stätten in der Region, die mit einem bunten kulturellen Programm bespielt werden – und das im gesamten Ruhrgebiet. Lichtkunst, Konzerte, Lesungen, Performances, Artistik, Führungen und vieles mehr erwarten die Besucher, die mit Shuttlebussen zu den Veranstaltungsorten fahren können. Infos: www.extraschicht.de

* Heimatverbunden

Die Bücher des Bochumer Schriftstellers und Kabarettisten Frank Goosen sind Vorlage für den Film „Radio Heimat“, der voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte in die Kinos kommt. Die Coming-of-Age-Geschichte erzählt von vier Freunden, die in den 80er Jahren im Ruhrgebiet aufwachsen und unbedingt ihre Jungfräulichkeit verlieren wollen. Doch die ersten Annäherungsversuche beim anderen Geschlecht sind nicht erfolgreich. Infos: www.facebook.com/RadioHeimat

*Lachhaft

Moers lädt im kommenden Jahr schon zum 40. Mal zum Gipfeltreffen des Humors. Zum Jubiläum des Internationalen ComedyArts Festivals vom 22. bis zum 25. September in der Moerser Festivalhalle werden neben Newcomern auch Publikumslieblinge aus vier Jahrzehnten Festivalgeschichte erwartet. Außerdem schenkt sich der Humorgipfel einen zusätzlichen Tag: Im Vorfeld wird es einen Straßentheatertag in der Innenstadt geben, bei dem unterschiedliche Künstler die Fußgängerzone zur Bühne machen. Infos: www.comedyarts.de

* Wissenshungrig

Die WissensNacht Ruhr verwandelt die Region am 30. September in ein großes Ideen-Labor. Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Mülheim öffnen ihre Hörsäle und Institutsräume und präsentieren das weite Spektrum von Wissenschaft in der Metropole Ruhr. Veranstaltet wird die regionale Entdeckungstour vom Regionalverband Ruhr (RVR). Bei der Premiere der WissensNacht Ruhr im Jahr 2014 beteiligten sich mehr als 400 Wissenschaftler mit rund 200 Programmpunkten. Infos: www.wissensnacht.ruhr

* Klangvoll

Voraussichtlich im Herbst eröffnet das Musikzentrum Bochum, die neue Heimat der Bochumer Symphoniker unter Steven Sloan. Das Konzerthaus steht in der Innenstadt in unmittelbarer Nähe der Ausgeh-Meile „Bermudadreieck“. In den Komplex wurde die ehemalige Marienkirche miteinbezogen. Knapp 40 Millionen Euro kostet der neue Kulturtempel, rund 14 Millionen Euro kommen aus Spenden und Sponsorengeldern. Infos: www.bochumer-symphonie.de

* Phantasievoll

Nicht nur für Nerds: Nach der erfolgreichen Premiere in diesem Jahr findet vom 2. bis 4. Dezember 2016 die zweite German Comic Con in den Westfalenhallen Dortmund statt. 50.000 Besucher werden bei der nächsten Auflage erwartet. Neben internationalen Comic-Zeichnern sind vor allem Serienstars zu Gast. Zum Programm gehören Workshops, Lesungen, Bühnenprogramme, Fotoshootings und ausgestellte Requisiten und Filmautos. Vorbild ist die traditionelle Convention in San Diego. Infos: www.germancomiccon.com

* On Tour 2016 geben sich internationale Rock- und Popstars im Ruhrgebiet die Klinke in die Hand: Den Bogen über 30 Jahre Musik-Karriere spannt Herbert Grönemeyer am 27. Mai, wenn er in der Gelsenkirchener Veltins-Arena seine Hits von „Von Bochum bis Dauernd Jetzt“ spielt. Ebenfalls in Gelsenkirchen: Udo Lindenberg am 20. Mai bei seiner „Keine Panik“-Tour. Die amerikanischen Hardrocker der Band Kiss gehen 2016 wieder auf Tour, die sie u.a. am 23. Mai in nach Dortmund führt. Bereits am 24. März sorgt das Hip-Hop-Duo Macklemore & Ryan Lewis bei seiner großen Tour in den Westfalenhallen für Stimmung. In der König-Pilsener-Arena in Oberhausen tritt am 26. Februar Elli Goulding auf, auch die norwegische Band A-ha macht bei ihrer „In Steel“-Tour am 20. April dort Station. Infos: www.veltins-arena.de, www.westfalenhallen.de, www.koenig-pilsener-arena.de

Anmerkung unserer Redaktion: Auch 2016 erlauben wir uns bei uns erreichenden Mitteilungen die, insbesondere beim RVR zeitweise noch zu findende Unart, den Ballungsraum Ruhr mit „Metropole“ zu bezeichnen, im Interesse der Wahl einer bürgernahen Sprachnutzung zu korrigieren und mit „Ruhrgebiet“ zu übersetzen. Wir bitten die Kollegen beim RVR um mildes Verständnis. Einen guten Rutsch und frohes Neues Jahr auch zum RVR.

(stk., ü. Pm.)

IHK stellt sich beim Flughafen gegen Ratsbeschlüsse auf

Eigentlich ist es das Ergebnis unabhängiger Ratsbeschlüsse, die auf der Grundlage von Bürgereingaben das Aus für den Essener Flughafen fordern. Dass der Flughafen darüber hinaus auch ein bisher wirtschaftlicher Zuschussbetrieb war, ließ sich öffentlich auch nicht damit überdecken, dass regelmäßige Vogelbeobachtungen die Schokoladenseite für den Naturschutz hervorkehrten. Naturfreundliche Flächen und Frischluftschneisen können sicher auch ohne die stadtnahe Beschallung eines Geschäftsflughafen realisiert werden. NRW entschied sich letztlich aus Kostengründen gegen einen Weiterbetrieb. Um so verwunderlicher die heutige Grußadresse der Essener Industrie und Handelskammer, sie „begrüßt“ das Angebot eines Netzwerks „Wir sind Flughafen“, hinter dem einige Firmen mit Interesse einer Weiterführung des Flughafens stehen. Hintergründig darf aber auch eine verhaltene politische Kraft vermutet werden, die unter geänderten Ratsbedingungen einen „Ausstieg aus dem Ausstieg“ in Erwägung zieht. Dabei werden die bisherigen Ausstiegsargumente medienwirksam auf das rein ökonomische Überleben des Flugfeldes gerichtet. Die politischen Argumente der Bürgergruppen und Parteien, die über Jahre für eine Schließung gekämpft haben, könnten damit in Frage gestellt werden. Es mutet gerade seltsam an, wenn die stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführerin Veronika Lühl von einem „vorgezogene Weihnachtsgeschenk“ spricht und damit die politische Entscheidung zugunsten des Flughafens fordert. 2016 dürfte die politische Diskussion also das Thema Flughafen wieder auf die Agenda setzen. 

Hier die gesamte Pressemeldung der IHK:

„Die Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK) begrüßt das Angebot des Netzwerks „Wir sind Flughafen“, die Gesellschafteranteile des Landes Nordrhein-Westfalen am Flughafen Essen-Mülheim zu übernehmen. Dazu die stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführerin Veronika Lühl: „Das ist eine positive Botschaft der am Flughafen angesiedelten Unternehmen. Dieses vorgezogene Weihnachtsgeschenk sollte die Politik annehmen und gemeinsam mit den Betrieben an der Wirtschaftlichkeit des Flughafens arbeiten.“ Bestehende Pachtverträge laufen noch bis 2024 bzw. 2034. Die Vorschläge des Netzwerks, das Defizit des Flughafens zu senken, sollten daher ernsthaft geprüft werden. „Die Unternehmen zeigen Verantwortung und bieten an, eigene Mittel in die Hand zu nehmen. Das ist ein starkes Bekenntnis für den Standort. Die Politik sollte daher schnell den Dialog mit dem Netzwerk aufnehmen und gemeinsam nach konstruktiven Lösungen suchen. Es kann ja nicht im Interesse der beteiligten Städte liegen, erfolgreiche Unternehmen samt Arbeitsplätzen ziehen zu lassen“, so Veronika Lühl. Die IHK setzt sich seit Jahren für den Flughafen Essen / Mülheim als wichtigen Standortfaktor für die Region ein. Aus ihrer Sicht spielt der Flughafen derzeit unter seinen Möglichkeiten.“

(stk., ü. Pm.)

Atomkraftwerk Tihange: Oberbürgermeister Thomas Kufen unterstützt den Appell des Aachener Oberbürgermeisters Marcel Philipp

Nach dem neuerlichen Zwischenfall am Wochenende im belgischen Atomkraftwerk Tihange, rund 70 km westlich von Aachen, zeigt sich Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp tief besorgt.

Zuletzt war der Reaktor im März 2014 aufgrund massiver Sicherheitsbedenken vom Netz gegangen. Nach der Prüfung von Haarrissen am Reaktorbehälter durch die belgische Nuklearaufsichtsbehörde AFCN, bescheinigte diese nun die Sicherheit der Reaktoren.

Grafik der Brennstoffbehälter (Rolf Schwermer)
Grafik der Brennstoffbehälter (Rolf Schwermer)

„Wir sehen die Entwicklung schon seit langer Zeit ausgesprochen kritisch“, sagte Philipp am Montag. „Und der jüngste Störfall zeigt uns einmal mehr, wie unsicher Tihange wirklich ist.“

Der eindringliche Appell der beiden Oberbürgermeister aus Essen und Aachen an die Betreiber lautet deshalb: „Nehmen Sie dieses Atomkraftwerk vom Netz!“

Besorgte Essener Bürger hatten sich bereits an ihren OB gewandt um Klarheit über möglichen Katastrophenschutz zu gewinnen. Der Oberbürgermeister wird sich zu Jahresbeginn mit ihnen in Verbindung setzen. Priorität hatte für ihn bisher die Verhinderung, bzw. das Abschalten des Gefahrenherdes. Dann dürfte sich die präventive Jodtabletten-Bevorratung als nicht ganz so dringlich darstellen. Gleichwohl schätzt er das Bürgerengagement auch in diesem Sicherheitsbereich.

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Im Umland Aachens sieht man das Wiederanfahren des Reaktors mit ähnlich unguten Gefühlen, wie sie von Essener Bürgern artikuliert wurden. Gemeinsam will nun die Allianz der betroffenen Gemeinden gegen die Entscheidung in Belgien vorgehen. Ein weiterer Vorfall schreckte in den letzten Tagen die Gemüter. Ein Brand im Umfeld nötigte die Kraftwerksbetreiber die Anlage herunterzufahren. Die Zeit berichtete hierzu.

Titelbild: Greenpeace

(stk., ü. Pm. Oberbürgermeister)

 

Öffentliche Führung im Haus der Essener Geschichte

Das Haus der Essener Geschichte/ Stadtarchiv am Ernst-Schmidt-Platz 1 (ehemalige Luisenschule am Bismarckplatz) bietet am Sonntag, 3. Januar, um 15 Uhr eine kostenlose öffentliche Führung durch die Dauerausstellung „Essen.Geschichte einer Großstadt im 20. Jahrhundert“ an.

Die Ausstellung informiert spannend und informativ über die letzten 100 Jahre Stadtgeschichte von der Kaiserzeit bis zum Kulturhauptstadtjahr 2010.

(ü. Pm.)

Grußwort des Oberbürgermeisters zum Jahreswechsel

Oberbürgermeister Thomas Kufen richtet sich mit einem Grußwort zum Jahreswechsel an die Bürgerinnen und Bürger:

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

es gab in den vergangenen Wochen und Monaten keinen Tag, an dem uns das Thema „Flüchtlinge“ nicht beschäftigt hätte. Ich will deshalb die Gelegenheit nutzen, mich bei all den Bürgerinnen und Bürgern zu bedanken, die bei der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen ihr Möglichstes tun, um ihren Beitrag bei dieser Herkules-Aufgabe zu leisten. Sie alle stehen für das große Herz unserer Stadt!

Wir erleben dieser Tage eine echte Zeitenwende, ein „Rendezvous unserer Gesellschaft mit der Globalisierung“. Was bringt Menschen dazu ihre Heimat zu veranlassen? Ein Beispiel von vielen ist eine Familie mit fünf Kindern, die vor Krieg und Gewalt im Osten Syriens geflohen ist und mittlerweile bei uns in Essen lebt. Die Familie hat jüngst einem Fernsehteam von ihrer dramatischen Flucht aus ihrer völlig zerstörten Heimatstadt berichtet. Eine 20-tägige Odyssee führte sie durch insgesamt sieben Länder – zu Fuß und per Schlauchboot übers offene Meer.

Die Not muss unendlich groß sein, bevor man sich und seinen Kindern diese enormen Gefahren und Strapazen zumutet. Mittlerweile hat die Familie in unserer Stadt eine Wohnung bezogen und die Kinder werden bald in einer Seiteneinsteigerklasse wieder zur Schule gehen. Damit ist dann für sie ein erster wichtiger Schritt in Richtung Integration geschafft.

Integration zu fordern ist einfach, sie tatsächlich zu erreichen eine echte Herausforderung und noch viel Arbeit. Daher brauchen wir die tatkräftige Unterstützung der gesamten Stadtgesellschaft. Nur so können wir Fanatismus und Fremdenfeindlichkeit die Stirn bieten. Essen ist eine offene und tolerante Stadt – voller Leben, Kultur und Herz. Das soll auch so bleiben.

Als Wirtschafts- und Forschungsstandort hat Essen in diesem Jahr einmal mehr überzeugen können. Dies zeigen wichtige Standortentscheidungen großer Konzerne, wie der Brenntag AG oder der E.ON SE für Essen, ebenso wie das Vorhaben zur Errichtung des „Energie-Campus Ruhr“ als innovative Technologie-Transfer-Plattform. Dazu passt, dass unsere Universität Duisburg-Essen den Sprung unter die Top100-Universitäten weltweit geschafft hat und im Oktober der Startschuss für den Neubau der Folkwang Universität der Künste auf dem Gelände unseres UNESCO-Welterbes Zollverein gefallen ist.

Essen setzt Zeichen als wirtschaftsstarke, lebenswerte und moderne Großstadt. Stolz können wir insbesondere auf unsere Auszeichnung als „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ sein. Besser lässt sich nicht zeigen, dass wir mit unseren städtischen Zielen und Erfolgen beim Umwelt- und Klimaschutz auch europaweit eine Vorreiterrolle übernommen haben. Wir werden auf nationalem und internationalem Parkett weiter Verantwortung übernehmen und mit unseren Erfolgen neugierig machen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Thomas Kufen
Oberbürgermeister der Stadt Essen

Energierobinson, oder wieviel Vergesellschaftung ist nötig um eine moderne Energieversorgung sicherzustellen? Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Vorstandes der RWE Deutschland, Dr. Arndt Neuhaus.

Die Stadt Essen ist mit dem RWE-Konzern eng verbunden. So eng, dass Börsenschwankungen und Aktienverluste den Stadthaushalt in arge Bedrängnis brachten. Eine späte Einsicht der Kommunalpolitik, dass Energieanlagen keine sichere Wertsicherung für eine Stadt darstellen, können über die Verluste wenig tröstlich klingen, auch wenn Essen der Sitz dieses weltweit agierenden Konzerns ist. Gleichwohl bleibt RWE Essen verbunden und ist bestrebt, neue Geschäftsfelder zu finden. Wir sprachen im Rahmen eines Interviews mit Dr. Neuhaus in der Essener Konzernzentrale:

Wenn hier die Bezeichnung Konzern steht, so ist dies ungenau, RWE soll aufgespalten werden. Die problematischen Teile des Konzerns mit der Altlast der „Nichterneuerbaren Energiegewinnung“ sind ausgesondert und ein neuer Teil der RWE konzentriert sich auf die Anforderungen der Zeit nach der „Energiewende“. „Chef“ dieses Unternehmens ist derzeit Dr. Arndt Neuhaus, Vorsitzender des Vorstands. Kein leichter Job in einer Zeit stärkster Umwälzungen und Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung auf dem Energiemarkt. Denn neben einer sich rasant entwickelden Technik sind kaum verlässliche Aussagen über das zukünftige Konsumverhalten der Verbraucher möglich. Wird es eine stärke Abkoppelung aus der Netzabhängigkeit geben, und welche Rolle werden die Netze zukünftig spielen? Wird Energie mehr dezentral, oder zentral gewonnen? Was ist politisch gewollt und überhaupt planbar? Dabei darf die hier propagierte „Vorreiterrolle“ in Sachen Energiegewinnung nicht überstrapaziert werden, denn der Markt entwickelt sich international. Sowohl bei der Entwicklung von Kollektoren, als auch der Forschung um Speichermöglichkeiten, zählt heute nur noch der internationale Austausch.

Zur Biografie Dr. Arndt Neuhaus:
März 1966 geboren in Oberhausen
1985 bis 1993 Studium der Chemie und Betriebswirtschaftslehre,
an der Philipps-Universität in Marburg und an der University of Bristol (UK)
mit Abschluss Diplom-Chemiker (1990), Dr. rer. nat. (1992) und Diplom-Kaufmann (1993)
1993 bis 1994 Post-Doc-Forschungsaufenthalt an der University of California in Berkeley, USA
1995 bis 2001 McKinsey & Company, Inc.,
Grundstoffindustrien (Chemie, Stahl, Bergbau), Energiewirtschaft
2001 bis 2002 RWE AG
Leiter Strategische Planung
2002 bis 2005 RWE AG
Leiter Konzernentwicklung; Mitglied Group Business Committee (ab 09/2003)
2005 bis 2008 RWE Rhein-Ruhr AG
Mitglied des Vorstands, Ressort Finanzen
2008 bis 2009 RWE Energy AG
Mitglied des Vorstands, Ressort Finanzen
2009 bis 2010 RWE Rheinland Westfalen Netz AG
Vorsitzender des Vorstands
Seit Januar 2011 RWE Deutschland AG
Vorsitzender des Vorstands

(stk.)

Gelsenkirchen verliert Vaillant – Ruhrgebiet weniger attraktiv für Unternehmen

Im Ruhrgebiet kämpfen Kommunen um jeden Arbeitsplatz. Aber im regionalen Vergleich steht das Ruhrgebiet oft nicht so positiv da, wie es Marketingstrategen gerne darstellen. Im Augenblick kämpft Gelsenkirchen um den Verbleib des abwanderungswilligen Unternehmens Vaillant, mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Keinerlei Entgegenkommen oder gar Verhandlungsbereitschaft hat heute die Geschäftsführung von Vaillant bei einem Gespräch mit NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin , Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Wirtschaftsförderungsdezernent Dr. Christopher Schmitt gezeigt. Den Beschluss zur Schließung des Werks in Gelsenkirchen wollten Dr. Carsten Voigtländer (Vorsitzender der Geschäftsführung Vaillant Group) und Dr. Jens Wichtermann (Director Group Communication Sustainability) auch gegenüber dem Minister nicht in Frage stellen.

Oberbürgermeister Frank Baranowski: „Damit hat die Vaillant-Geschäftsführung leider auch an höchster Stelle die bisherige harte Haltung fortgesetzt. Für mich ist eine Verlagerung von Teilfertigungen ach Osteuropa kein verantwortungsvolles Handeln in Sinne der Belegschaft und ihrer Familien!“

Dabei scheint Vaillant den Imageschaden, den das Unternehmen, das mit dem Qualitätslabel „Made in Germany“ wirbt, nicht zu scheuen. Die Gelsenkirchener Belegschaft hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Vaillant mit dem Nachhaltigkeitspreis 2015 schmücken darf. Auf ein Dankschön dafür wartet Belegschaft bisher vergeblich. Stattdessen droht die Kündigung.

Frank Baranowski: „Trotz dieser ernüchternden Einstellung der Vaillant Geschäftsführung gilt mein Appell an die Unternehmensleitung weiterhin: Sie haben hier in Gelsenkirchen einen starken Standort! Nutzen Sie ihn! Stärken Sie ihn! Im Interesse Ihres Unternehmens und der Region, in der Sie produzieren. Seien Sie gesprächsbereit!“

Gerade angesichts dieser harten Linie der Unternehmensleitung ruft Oberbürgermeister Frank Baranowski alle Parteien, die Kirchen, die Verbände in dieser Stadt auf morgen bei der Demonstration an der Seite von Gewerkschaft und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu stehen, um zu zeigen, dass Gelsenkirchen alle Kräfte mobilisiert, um der drohenden Werksschließung bei Vaillant etwas entgegen setzen zu können.

(stk. u. ü. Pm. Stadt Ge.)