15.000 € sind für die Stadt Essen“nicht die Welt“ – „Privatwirtschaftliche Lösung“ soll nicht behindert werden

Initiative WiFi4EU heißt das Projekt der EU, das für ein kostenloses WLAN in Städten und Gemeinden sorgen soll. 120 Millionen Euro Fördergelder stehen dafür bereit. Die Stadt Essen wird wohl nicht dabei sein. 

Städte und Gemeinden die am Projekt teilnehmen möchten, können sich ab heute auf einem Webportal der EU dafür registrieren. Die registrierten Städte können sich dann ab Mitte Mai bewerben und so einen der ersten 1000 WiFi4EU Gutscheine erhalten. Jeder Gutschein umfasst Fördergeld in Höhe von 15.000 Euro. Die Vergabe erfolgt nach der Reihenfolge der Bewerbungen.

Während die Nachbarstadt Gelsenkirchen mit über 260 Hot Spots die größte freie WLAN-Zone des Ruhrgebiets hat und digitale Modellstadt ist, steht die Ex-Kulturhauptstadt noch im Embryonalstadium der Vernetzung.

Auf unsere Nachfrage teilt uns Ina Will, Pressereferentin bei der EMG – Essen Marketing GmbH (das Presseamt der Stadt hatte unsere Presseanfrage hierhin geleitet), mit:

„Wir wissen um die EU-Förderung, haben uns aber nicht beworben. Und dies aus 2 Gründen.

  1. 15000 €, die von der EU gegeben würden, sind nicht die Welt.
  2. Die EMG – Essen Marketing GmbH plant derzeit eine privatwirtschaftliche Lösung bezüglich des freien W-LANS in der City. Dabei soll das freie W-LAN mit einer Essen-App verknüpft werden. Diese wäre bei der EU-Förderung nicht möglich.“

Eine privatwirtschaftliche Lösung dürfte sicher nicht die günstigste Lösung für die Tafelstadt Essen sein. Mit kostenfreien Angeboten an den Bürger lassen sich nun mal keine privatwirtschlichen Gewinne erwirtschaften, es sei denn, ein Sekundärzahler bemächtigt sich der neuen Kanäle für „privatwirtschaftliche“ Intentionen, die der „User“ dann zwangsweise mitschlucken muß. Dabei gab es in Essen bereits Initiativen im Rat, an die Kai Hemsteeg, stellv. Fraktionsvorsitzender des ESSENER BÜRGER BÜNDNIS erinnert:


„Am heutige Dienstag beginnt endlich die Förderühase für das EU-Förderprojekt Wifi4EU. Es werden 120 Millionen Euro für 6000 Standorte zur Verfügung gestellt. Bereits am 21.06.2017 hatte der Rat dem Antrag von Wilfried Adamy und mir zugestimmt und den Weg frei gemacht für die Einrichtung von kostenlosem WLAN an öffentlichen Orten wie dem Kennedyplatz, Bibliotheken oder Bürgerämtern. Als ESSENER BÜRGER BÜNDNIS wollen wir möglichst schnell unkomplizierte und zudem für die Bürger kostenfreie WLAN-Zugänge an öffentlichen Orten. Passiert ist bislang leider wenig. Das Essener Systemhaus steht dem Förderprojekt kritisch bis ablehnend gegenüber. Erst am 14.03.2018 hatte mein Fraktionskollge Wilfried Adamy in Verwaltungsausschuss für eine zeitnahe Umsetzung gedrängt. Ich hoffe sehr, dass uns das Essener Systemhaus die Chance auf  bürgerfreundliche Internet-Infrastruktur ermöglicht. Was in anderen Städten längst selbstverständlich ist, soll endlich auch in Essen Wirklichkeit werden.“

Dieser Wunsch bleibt offen, denn „Planungsphasen“ sind nicht selten zeitliche Verschiebebahnhöfe. Bleibt dann nur die Frage, wer verdient im Falle einer „privatwirtschaftlichen Alternative“ am modernen Grundbedürfnis des modernen Bürgers? Die „Privatwirtschaftliche Toilettenbereitstellung“ in der „Grünen Hauptstadt“ funktioniert jedenfalls bis heute nicht und führt bei biologischer Entsorgung zu einem sogenannten „Pinkelknöllchen“, das dann aber die Abtragung des städtischen Schuldenberges erleichtert. (stk.)

 

 

 

 

 

 

 

Ähnliches Projekt in Bayern seit 2015
Aktuell wird im Freistaat Bayern bereits ein ähnliches Projekt eingeführt. Das sogenannte BayernWLAN soll bis zum Jahr 2020 Bayern zum ersten Bundesland machen welches über ein flächendeckendes und kostenfreies WLAN-Netz verfügt. Dazu sollen insgesamt rund 20.000 Wi-Fi-Hotspots in staatlichen Gebäuden, öffentlichen Plätzen und touristischen Zielen installiert werden.

In einem Interview von silicon.de erklärte Bayerns Finanzminister Markus Söder, dass im Dezember 2016 bereits 800 Standorte für Zugangspunkte des BayernWLANs bestehen. Die Pilotphase des ehrgeizigen Projekts startete bereits 2015. Inzwischen sind bayernweit rund 12.000 Hotspots der Initiative aufgestellt worden. Die Zugangspunkte die sich vor allen in München und anderen Ballungsräumen befinden werden laut den Initiatoren von der Bevölkerung rege genutzt.