Werden in der Grünen Hauptstadt Essen 2017 47.040 Liter Schiffsdiesel auf dem Baldeneysee verbrannt?

In emotionaler Aufmachung und bissigem Kommentar berichtete die Essener WAZ heute, (6. 10. 2016), über den Konflikt an der Essener Ruhr, wo die Wasserpest den Vereinssport, Segeln, Rudern etc., zeitweilig unmöglich macht. Nun gilt die Wasserpest und manch anderes Wasserkraut geradezu als Gütesiegel für die mittlerweilen sich bessernde Wasserqualität der Ruhr. Auch findet sich am Rande des Baldeneysees ein Naturschutzgebiet, das einer schonenden Haltung bedarf. Eigentlich ein prachtvolles Pfand, was die Essener vor der Haustüre finden. An ca. 4 Monaten des Jahres nimmt aber das Krautwachstum derart zu, dass das elitärste Rennboot, die aufwändigste Regatta, oder das abendliche Ausfahren der Altherrenmannschaft keine Chance finden, denn die gute Wasserpest bremst jede Beschleunigung aus und zwingt den Besucher in eine ruhige Beschaulichkeit vom Rande her.
Klar, dass dies einen Aufschrei der Traditionsverbände und Sportfunktionäre auslöst, so heftig, dass Oberbürgermeister Thomas Kufen heute eilig eine Pressemeldung vorlegt, in der er erklärt: „Das .. in den Medien …aufgezeigte Szenario über die dauerhafte Einschränkung des Wassersports auf dem Baldeneysee akzeptiert Oberbürgermeister Thomas Kufen nicht. Bereits in den nächsten zwei Wochen stehen sowohl Spitzengespräche mit dem Ruhrverband als auch mit allen Beteiligten des Aktionsplans Baldeneysee an, bei denen schon jetzt Maßnahmen für das Jahr 2017 vereinbart werden sollen. Die Stadtverwaltung mit Grün und Gruga, den Essener Sport- und Bäderbetrieben und der Weissen Flotte sichert ihre volle Unterstützung zu. Darüber hinaus sind an den Arbeitstreffen auch weiterhin die IG Baldeney, der Essener Sportbund e.V. (ESPO), die Essener Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft mbH (EABG) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) beteiligt. Alle Beteiligten haben Ihre Zusage gegeben, sicherzustellen, dass der Baldeneysee als beliebtes Sport- und Freizeitziel auch in Zukunft erhalten bleibt.“ Somit dürfte also Ärger mit den Wassersportlern erst mal eingefangen sein. Doch wie sehen tatsächliche Lösungsmöglichkeiten aus?

Wir sprachen heute mit dem Ruhrverband und erfuhren, dass ein Mähboot pro Schicht (abzüglich Rüst- und Pausenzeiten etwa 6 Stunden reine Fahrzeit) etwa 30-35 Liter Dieseltreibstoff verbraucht. Die bisherige Erfahrung zeigt aber auch, dass Kufens Traum einer hindernisfreien Wasserstrecke von einem Boot kaum zu bewältigen ist. Der Ruhrverband will für kommendes Jahr wissenschaftliche Begleitung anfordern, denn ein Patentrezept stellt selbst das ständige Mähen nicht dar. Wir haben dann einfach mal den Dieselbedarf von nur zwei Schiffen berechnet, 4 Monate, 28 Arbeitstage pro Monat, und kommen so locker auf die Summe von 47.040 Litern Schiffsdiesel. Die eigentlichen Kosten pro Tag und Schiff gibt der Ruhrverband mit ca. 2000 Euro an, also 4000 Euro für zwei Schiffe, wären auch ein stolzes Sümmchen für den Freizeitvereinssport.

Und das Verbrennen von fast 50000 Litern Diesel dürfte auf Essens südlichem Aushängeschild im Jahre der Grünen Hauptstadt sicherlich auch einige Fragen aufwerfen. Wir sehen uns ja nicht nur im Ruhrgebiet um, und so ist uns ein anderes Wassersportparadies nicht verborgen geblieben, dass sich gegenüber den Essener Sorgen wohl behaglich fühlen dürfte. Die Stadt Cottbus, vormaliges Braunkohlenrevier, profitiert von seiner Vergangenheit. Die ehemaligen Baggerseen sind heute herrliche Wassersportgebiete mit Wettkampfstauglichkeit und Marinas samt üblicher Gastronomie. Wasserpestfrei, denn die Übersäurung der Gewässer in der Folge ehemaliger Ablagerungen verhindert jeden grünen Wasserteppich.

Wir sind gespannt, was Essen für eine ökologische Lösung finden wird, die dem Grüne Hauptstadt Anspruch gerecht wird. Natürlich werden wir Sie darüber auch weiter informieren, wenngleich wir uns knackiger Kommentare in dieser wissenschaftlich noch unklaren Fragestellung enthalten möchten. Glück auf, liebe Wasserpest, unter Wasser bist du in Essen nicht gelitten.

Titelfoto: Mähfahrzeug. (Ruhrverband)

(stk.)