Leserbrief zum Verkehrskonzept/Neuer Markt in Essen-Werden

Zu Berichterstattungen in Essener Printmedien schreibt uns der Werdener Architekt Rainer Ringhoff:
In der Werdener Aula wurde am 1.12.16 die Gestaltung des Neuen Marktes vorgestellt. Das Verkehrskonzept bleibt überschriftlich unter Geschäftsleuten umstritten. Viele Einzelhandelsbetriebe haben bereits dicht gemacht. Rainer Lorenz, jahrzehntelang gut sortierter erfahrener Fotobetrieb, will auch schließen, wenn der Verkehrsunsinn kommt. Der Werbering reklamiert für sich, dass ihm nur 1 Betrieb bekannt sei, der gegen das Konzept gestimmt habe. Uns ist mitgeteilt worden, dass zum Zeitpunkt der Abstimmung nur ca. 25 % der Mitglieder anwesend waren. Man freue sich über Strom- und Wasseranschluss auf dem Neuen Markt. Und das für 3- 4 Veranstaltungen im Jahr. Geschützt in einer Seitengasse bekommt man von den 2- 3 Jahren Umbauphase so gut wie nichts mit. Die Bürgerinitiative Fließend Werden/Interessengemeinschaft B 224 Werden hat nichts gegen die Neugestaltung des Neuen Marktes (der keiner ist), aber damit wird in sklavischer Abhängigkeit das abzulehnende Verkehrsverlagerungskonzept auch mit eingeläutet. Die strategischen perfiden Gründe liegen offen.
Frau Leipprand der Grünen sieht in den aufzustellenden Spielgeräten keine Gefahr. Ich auch nicht. Aber das ist nicht der Punkt. Der in nur 4 m Abstand gewollt beschleunigte, mit starker Kurve bergabführende LKW/PKW-Durchfahrtverkehr, der gutachterlich bestätigte steigende z.T. gesundheitsgefährdende Lärmpegel, die klar und deutlich gutachterlich beschriebene Erhöhung der Luftschadstoffe bilden das Gefahrenpotential, nicht die Spielgeräte. Kurz und bündig: Die Gesamtsituation wird schlechter! Und dafür stehen die Grünen. Auch zur sogen. Mauer steht was im Gutachten. Schade, dass Frau Leipprand keine Zeit gefunden hat, am 21.11.16 in der Grünen-Parteizentrale am Gespräch teilzunehmen. Die Umgehung von Werden ist seit ca. 50 Jahren Dauerthema. Es gibt Umgehungs-varianten, die den Ortskern massiv entlasten würden. Wenn nun in euphorischer Eintracht immer wieder der sich seit 50 Jahren als falsch erwiesene Ortskern-durchfahrt gehuldigt wird, werden sich Folgepolitiker um diese Fehlentscheidung wieder bemühen. Es gibt Alternativen! Natürlich nicht sofort oder zum O-Tarif. Der gesunde Menschenverstand und vor allem Ortskenntnis insbes. zum Zeitpunkt der Rush Hour reichen aus, um das Thema realistisch einzuschätzen. Die Abteistraße ist heute schon tageszeitig und grenzwertig überlastet! Was ist wichtiger: Die Bewohner oder der beschleunigte Durchfahrtverkehr? Herr Göbel hat in unbeabsichtigter Weise für den Lattenknaller schlechthin gesorgt. Nicht wegen seines Statements, nein, das ist völlig in Ordnung, wenn er klarstellt, dass auf der Brückstraße parkende Autos zur Fahrbahn eine Art Schutzwall bilden. Schauen wir aber 30 m weiter! Herr Göbel setzt sich gleichermaßen dafür ein, dass der beschriebene Schutzwall auf der Abteistraße entfällt und die Bürgersteige schmaler werden. Vergegenwärtigen wir uns in Erweiterung dieses Sachverhaltes eines städt. Schreibens vom 7.9.15 an Frau Soller, Abteistr. 12, des Traditions-Blumengeschäftes.

Zitat auszugsweise:
Da Sie Ihr Sortiment auch vor Ihrem Geschäft präsentieren, wird durch den näheren Autoverkehr dieses einer größeren Anzahl von potentiellen Kunden gezeigt. In anderen Stadtteilen zeigt dieses einen umsatzfördernden Effekt. Kein Kommentar. Den kompletten Brief und Schriftwechsel kann man auf unserer Web-Site nachlesen.
Werden befindet sich am Scheideweg. Wollen wir, dass das Werdener Nadelöhr für die nächsten 50 Jahre ein noch stärkerer Verkehrsschwerpunkt der Nord-Süd-Achse wird, oder erhalten wir uns den fast dörflichen Charakter? Es gibt Alternativen! Verbesserungsvorschläge liegen der Stadt seit mehreren Jahren vor. Gegenteiliges zu behaupten ist schlichtweg wahrheitsfeindlich. Hat die Stadt Essen z.B. Förder-gelder vom 270 Milliarden-Topf für den Straßenneubau Essen angemeldet? Nun müssen wir nur noch den Kommunalpolitikern aus dem Umland, Kettwig, Bredeney, Rüttenscheid, Kray oder sonst woher nahebringen, was Werden tatsächlich entlastet! Man muss die Bewohner mitnehmen, war, ist und wird immer der richtige politische Ansatz sein. Da lob ich mir den CDU-Haudegen Kranz.

Rainer Ringhoff

Titelfoto: Darstellung Abteistr. ohne Schutzwall (Ringhoff)