Bürgerinitiative „Fließend Werden“: „…bleibende Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes für das gesundheitsschädliche Gas NO2!“

Die Bürgerinitiative „Fließend Werden“ geht mit einer Stellungnahme gegen Verkehrspläne in Essen-Werden vor, die wir hier veröffentlichen:

„Zur Bewertung des geplantenVerkehrsverlagerungskonzeptes hat das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW im Auftrag der Bezirksregierung Düsseldorf das Gutachten zur Schadstoffbelastung aus dem Jahr 2012 für Essen-Werden neu berechnet. Notwendig wurde die neue Berechnung von gesundheitsschädlichen NO2-Werten im Zuge des Abgasskandals, weil in dem bisherigen Gutachten mit inzwischen veralteten Daten der Zusammensetzung von Autoabgasen ausgegangen wurde.

Was ist das Ergebnis der Neuberechnung der Landesbehörden?

In der Brückstraße – wie aufgrund der dortigen Verkehrsreduzierung zu erwarten – ändert sich durch die Neuberechnung bei Umsetzung des Konzeptes an der Einhaltung der Grenzwerte nichts. Es ist simpel und logisch: Weniger Autos, weniger Schadstoffe!

Zu einer erschreckenden Feststellung kommt die behördliche Untersuchung dagegen für die Abteistraße:

Die jetzt schon bestehende und im Gutachten aus dem Jahr 2012 bei Umsetzung des Konzeptes bleibende Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes für das gesundheitsschädliche Gas NO2 wird nicht nur bestätigt, sondern es werden jetzt sogar um mehr als 10% höhere Schadstoffbelastungen prognostiziert! Auch das ist simpel: Bei 61% Verkehrszuwachs auf der Abteistraße: Mehr Autos, mehr Schadstoffe!

Die Bezirksregierung zieht hieraus den Schluss, dass bei Umsetzung des Verkehrskonzeptes Essen-Werden weitere Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung notwendig werden. Diese sind nicht geplant!

Was bedeutet dies im Klartext?

Die Antwort ist einfach:

Das Verkehrskonzept Essen-Werden ist faktisch gescheitert.

Weder ist eine Verminderung des Verkehrsaufkommens zu erreichen, noch kann ein ausreichender Schutz vor gesundheitsgefährdenden Schadstoffen erreicht werden. Die These der Befürworter der Verkehrsverlagerung, eine bessere Durchlüftung der Abteistraße führe zu einer Einhaltung der Grenzwerte für gesundheitsschädigendes NO2, ist widerlegt.

Autos und gesundheitsschädliche Schadstoffe werden lediglich von einer Straße auf eine andere verlagert. Auch zahlreiche, in Essen-Werden typischerweise schmale und enge Umgehungsstraßen werden davon nicht verschont bleiben.

Neben dem Flüsterasphalt zum Lärmreduzierung wird jetzt überlegt, auch NO2-reduzierende Baustoffe zu verbauen. Da aber nur eine minimale Fläche (nämlich die Bürgersteige) als nutzbare Fläche in Betracht kommen, werden wohl Geschwindigkeitsreduzierung und Fahrverbote in der Abteistraße notwendig!

Wie reagieren die Befürworter auf die Feststellung der Landesbehörden?

Ganz einfach: Sie ignorieren die Feststellungen der Landesbehörden.

Anstatt das jetzige Konzept als nicht wirksam anzuerkennen entziehen sie sich ihrer Verantwortung. Sie behaupten in ihren Pressemitteilungen schlichtweg falsch, dass das Umweltministerium grünes Licht gebe für das Verkehrskonzept, weil es angeblich auf der Abteistraße nicht mehr zu NO2-Grenzwertüberschreitungen kommen werde. Für wie dumm werden Bürger gehalten?

Gleichzeitig leugnen die Befürworter des Verkehrskonzeptes die neuen Verkehrsstaus. Die Realität des Konzepts zeigt aber jetzt schon eindrücklich die Edeka-Baustelle. Ahnend, dass auch bei Umsetzung des Verkehrskonzeptes sich genauso dieses Verkehrschaos einstellt, fordern sie daher weitere Maßnahmen wie eine geänderte Ampelschaltung.

Ja, es ist richtig: Hier wird eine Forderung aufgegriffen, die schon seit Jahren durch die Bürgerinitiative erhoben wird. Nur haben wir gefordert, den Verkehrsfluss in der Brückstraße u. a. durch optimierte Ampelschaltungen und LKW-Verbote zu verbessern, da eine wesentliche Ursache für die Rückstaus in der Brückstraße und die Schadstoffemissionen gerade die veralteten Ampelschaltungen sind.

Während die Befürworter den Vorschlag für die Brückstraße als laienhaft abtun, wird die gleiche Maßnahme durch die Befürworter als Lösung eines gescheiterten Verkehrskonzeptes präsentiert!

Und nun? Was ist die Bewertung der Bürgerinitiative „Fließend Werden“?

Ein Verkehrskonzept für Essen-Werden soll:

Nicht nur in der Brückstraße, sondern auf allen Straßen einen ausreichenden Schutz vor gesundheitsschädlichen Schadstoffbelastungen gewährleisten.

Einen flüssigen Verkehr ermöglichen.

Wir fordern die politischen Vertreter auf, Mut zu zeigen und das Verkehrskonzept Essen-Werden in der geplanten Form nicht umzusetzen, sondern neu zu überarbeiten.“

Essen, 18. Januar 2017

Bürgerinitiative „Fließend Werden“