Kreativquartier Essen – Kann man Kreativität ansiedeln?

Am Rande eines Ministerbesuchs im sogenannten „Kreativquartier“ sprachen wir mit Andreas Bomheuer, Geschäftsbereichsvorstand Kultur, Integration und Sport über das neue Quartier im Essener Norden.

Bürgermeister Rudolf Jelinek und Andreas Bomheuer, Geschäftsbereichsvorstand Kultur, Integration und Sport, haben gestern (1.3.) Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS NRW) im Forum Kunst & Architektur empfangen. Der Besuch erfolgte auf Einladung der Stadt Essen, um der Ministerin die Entwicklung des Kreativquartiers persönlich zu zeigen.

Besuch der Familienministerin NRW, Christina Kampmann, im Kreativquartier Essen-Nordstadt
v.l.n.r: Dirk Miklikowski , Geschäftsführer Allbau, Familienministerin Christina Kampmann, Kulturdezernent Andreas Bomheuer und Bürgermeister Rudolf Jelinek
01.02.2017 Foto: Elke Brochhagen

Seit 2014 arbeiten die Stadt Essen und der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. an einen Beteiligungs- und Austauschprozess, der auf die Entwicklung der nördlichen Innenstadt zu einem Kreativquartier zielt. Zusammen mit örtlichen Akteuren, sozialen Trägern, Ordnungs- und Sozialverwaltung und den Bewohnern werden unter Begleitung des vhw Maßnahmen entwickelt, die in ein integriertes Handlungskonzept zur Weiterentwicklung des Kreativquartiers City Nord.Essen münden werden.

„Die Kreativwirtschaft und die freie Kunst- und Kulturszene beeinflussen sich wechselseitig und bewegen sich in einem permanenten Austauschprozess“, so Bürgermeister Rudolf Jelinek. Und weiter: „Sie ist damit für jede Großstadt ein belebendes und für die Stadtentwicklung immer wichtigeres und unverzichtbares Element. Kreativ-Quartiere – wie hier in der nördlichen Innenstadt – liefern dabei einen starken Impuls zur Steigerung urbaner Lebensqualität!“

Die Stadt Essen auf die individuelle Förderung von Künstlern und Künstlerinnen als eine wichtige Aufgabe städtischer Kulturpolitik. Und hier setzt auch die Landesinitiative zur Förderung von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen (IKF) an.

„Mit der Landesinitiative wollen wir Künstlern in NRW bessere Arbeits- und Lebensbedingungen bieten. Das Kulturland NRW soll dadurch sowohl für regionale und nationale als auch für internationale Künstler noch attraktiver werden“, betont Ministerin Christina Kampmann.

Dieter Gorny, Geschäftsführer des european centre for creative economy (ecce) ergänzt: „Den Standort NRW für Künstlerinnen und Künstler sowie Kreative zu verbessern, ist keine neue Aufgabe, doch die Art und Weise – partizipativ, dialogisch, direkt an den Bedarfen orientiert – ist einmalig für eine Kulturförderung in Deutschland. ecce will eine möglichst passgenaue und innovative Förderung entwickeln. Das Ruhrgebiet soll als Pilotraum für ganz NRW ein Beispiel für die Vielfalt, Offenheit und Qualität der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen und Künstlern und Kreativen in NRW sein.“

Die Entwicklungen im Kreativquartier zeigen, dass nicht nur die Förderung von Künstlern und Kreativen ein starkes Quartier ausmachen. Und so hat sich unter Leitung des Kulturbüros ein Prozess entwickelt, der zusammen mit den Akteuren im Quartier auch die arbeits-, sozial-, kinder- und familienpolitische sowie integrationspolitische, wirtschaftliche, infrastrukturelle und städtebaulichen Maßnahmen beleuchtet.

Eine erhobene Sinus-Milieu-Studie belegt das Potential des Kreativquartiers. Leerstandsaktivierung und die Belebung öffentlicher Plätze machen dieses Potential sichtbar. Dies wirkt sich schon jetzt auch auf angrenzende Quartiere aus. Besonders sichtbar wird dies aktuell durch die Investition der Allbau AG mit der Verlegung des Hauptsitzes und dem Wohnprojekt „Kastanienhöfe“, aber auch durch die Aktivitäten der Vonovia im benachbarten Eltingviertel.

„Die Verdichtung und Weiterentwicklung kreativwirtschaftlicher Potentiale, aber auch die temporäre und dauerhafte Aktivierung von Leerständen sind wichtige Bestandteile, um dem Quartier noch mehr Leben einzuhauchen“, weiß Andreas Bomheuer Geschäftsbereichsvorstand Kultur, Integration und Sport. „Mit der Vernetzung der verschiedene Akteure können wir nicht nur die Aufenthaltsqualität im Viertel steigern, sondern vor allem ‚Spill-Over Effekte‘ auslösen“.

Und weiter: „Wir können schon jetzt die städtebaulichen Investitionen beobachten, denn das Quartier wird auch für private Eigentümer wieder interessant“, so Bomheuer. „Ich freue mich besonders, dass das Viertel auch innerhalb der Stadtgesellschaft als Kreativquartier mit Potential wahrgenommen wird. Das verändert und verbessert nicht nur die sozialen Strukturen, sondern stellt vor allem die kreativwirtschaftlichen Voraussetzungen auf stabile Beine, um Unternehmen der Kreativbranche von öffentlichen Förderungen in die selbständige Existenz zu führen“.

In Rahmen des Empfangs konnte sich die Ministerin anhand einer Präsentation über die Entwicklungen im Quartier informieren. „Ich freue mich zu sehen, dass die Angebote der Stadt so gut angenommen werden und Orte wie das Atelierhaus Ursprung und Nährboden für Projekte aus der Kreativszene selbst sind“. Und weiter: „Nach der Initialzündung der Stadt und der ständigen Begleitung des Prozesses müssen Entwicklungen aber auch aus der Bewohnerschaft und den Akteuren vor Ort kommen. Am Beispiel der Kreuzeskirche sieht man, was aus privatem Engagement werden kann und wie gut kirchliche, kulturelle und kreative Angebote unter einem Dach zu vereinen sind und welche Strahlkraft diese Orte auf die Quartiersentwicklung haben“.

Zum Hintergrund:

Die Stadt Essen hat zusammen mit der ecce GmbH für die weitere Entwicklung des Quartiers die Förderung eines Quartiersmanagements beim MFKJKS beantragt. Die Stadtverwaltung ist der Auffassung, dass ohne eine Investition in ein Quartiersmanagement die Investitionen in kulturelle Impulsprojekte nicht mehr länger optimal koordiniert und kommuniziert werden kann.

(stk., u. ü. Pm.)