„Totalherbizide wie Glyphosat sind maßgebliche Ursache für den Rückgang der Artenvielfalt, da sie alle Pflanzen auf dem Acker töten und damit Insekten, Vögeln und Nagern den Lebensraum nehmen“

 

 Anlässlich der Entscheidungsuche zur weiteren Zulassung von Glyphosat fordert Bioland keine Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffs. „Totalherbizide wie Glyphosat sind maßgebliche Ursache für den Rückgang der Artenvielfalt, da sie alle Pflanzen auf dem Acker töten und damit Insekten, Vögeln und Nagern den Lebensraum nehmen“, sagt Jan Plagge, Präsident von Bioland. „Es geht auch ohne Glyphosat. Das beweisen die 350.000 Bio-Bauern in Europa und zahlreiche konventionelle Betriebe, die auf das Herbizid verzichten.“

Schlüssel zum Erfolg auf dem Acker sind eine vielfältige Fruchtfolge sowie innovative mechanische Verfahren zur Unkrautbekämpfung. „Die Technik ist vorhanden. Sie steht auch der konventionellen Landwirtschaft breit zur Verfügung. Der Verzicht auf Glyphosat wird einen Innovationsschub im Ackerbau auslösen, von dem auch die deutsche Landtechnikindustrie profitieren kann, wenn sie rechtzeitig die Weichen richtig stellt“, so Plagge. Gewinner wäre vor allem die Artenvielfalt in unseren Kulturlandschaften. Totalherbizide wie Glyphosat vernichten alle Wildpflanzen auf dem Acker und dezimieren damit die Nahrungsgrundlage für Insekten. Und weniger Insekten bedeuten weniger Vögel, da ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen wird.

Weitere Informationen und Hintergründe zu Pestiziden:

Hintergrundpapier_BDV_Resolution_Pestizide_11-2014 

Prepaidkarten zur Auslandstelefonie? Vorsicht! Die Anmeldung kann, selbst wenn sie gelingen sollte, eine nervige Angelegenheit sein.

Alles sieht einfach und unkompliziert aus, wenigstens in der Werbung, doch das Problem zeigt sich erst bei der Identifikation. War es zu Beginn des Jahres noch möglich eine Prepaidkarte recht schnell, gar im Laden freizuschalten, geht dies durch eine gesetzliche Reglementierung nur noch nach vorheriger Identifikation. Diese soll „online“ durchführbar sein und wird per Kameralesefunktion am Computer oder durch Telefonkamera angepriesen.

Verlockende Werbung, die aber eine aufwendige Identifikation erfordert.

Was die anbietenden Firmen der Telefonkartenbranche aber nicht garantieren, ist eine angemessene Erreichbarkeit des Identifikationsdienstes. Der gehört meistens auch nicht zu den Firmen, sondern erfolgt in derem Auftrage. So ein Einwählversuch kann sich locker mal über Stunden erstrecken. Wir machten am 9. 8. 2017 einen Versuch mit einer Lebarakarte und wählten uns in das Identifikationsnetz ein. Nach zwei Stunden erscheint eine nette Dame auf dem Bildschirm des Computers, die aber den Ausweis nicht klar lesen kann und uns zu einer App riet, um den Vorgang mit dem Telefon zu wiederholen. Erneute zwei Stunden verstreichen…

So erfreut lacht nicht jeder Konsument…., der Vorgang kann sehr zeitaufwendig sein oder mißlingen.
Zwischenzeitlich versuchen wir mit der Presseabteilung von Lebara Kontakt aufzunehmen, was nur in Englisch möglich ist. Ein Kontaktversuch in Deutscher Sprache zuvor landete in Frankreich, wo uns ein Mitarbeiter zu unserem Erstaunen fragte, warum wir überhaupt Lebara kaufen würden. Man wüsste doch, dass das in Deutschland fast nicht funktioniere und man habe die Karten eben noch vor der gesetzlichen Änderung gedruckt und verkaufe die nur noch ab. Der Kollege in England versucht uns jedenfalls noch zu verstehen und bittet um einen Moment Geduld, nach wenigen Sekunden ist er aber auch aus der Leitung.
Nun gibt es natürlich überall Spitzenzeiten, wo Servicedienste schlecht erreichbar sind, aber ein Hinweis des offenherzigen Mitarbeiters in Frankreich weist uns auf eine ander Wahrscheinlichkeit…. wenn geringes Personal eingesetzt wird, verliert wohl mancher Kunde die Geduld und gibt auf. Wir werden jedenfalls unsere Karte dem Verkäufer zur Rückerstattung vorlegen.

(stk.

Abschiebung nach mehrfacher Ablehnung von Asylanträgen

Selami Przreni sieht sich als aufstrebender Künstler, in einem Film erlangte er eine bescheidene Bekanntheit und seine schwangere Frau sah ihn bereits im Durchbruch zur Berühmtheit. Sein Nachteil, er besaß keine gültige Aufenthaltsgenehmigung. Heute wurde er in sein Herkunftsland überführt.

Mit einem Aufruf seine Geschichte im Sozialen Netz zu teilen, sprachen zwei Kandidat en/innen, eine Wendung, auf die Grüne Wert legen, die Netzgemeinde an. Ein Aufruf zu Protest und Medienansprache. Sehr schnell reihten sich Vorwürfe an Stadt, System und „Unmenschen“, mit Vergleichen aus der Gewaltgeschichte der Deutschen. Der Künstler als Opfer einer überzogenen Verwaltungsmaßnahme. Im Blog des Grünen Kandidaten Omeirat übersteigen sich einige Beiträge mit sprachlichen Grammatik- und Ausdrucksproblemen in einen Verbalradikalismus, der nur noch Opfer und Gewaltverwaltung sieht. Der Blogbetreiber überlässt das Feld den Wütenden ohne mäßigenden Einfluss, oder gar Löschungen. Als wir ihn persönlich anschreiben, reagiert der Politiker umgehend, er  blockiert uns, wir sollten das Treiben in seinem Blog nicht mehr erkennen können. „Wir Grüne hatten keinen Anteil im Entscheidungsprozess der Stadtverwaltung…“ erfahren wir dann später von der Parteivorsitzenden.

Natürlich erfragen wir bei der Stadtverwaltung die Begründung für die spektakuläre Abschiebung. Am Nachmittag erreicht uns die Pressenachricht:

„Es ist richtig, dass Herrn Selami Przreni heute in sein Herkunftsland überführt wird.

Herr Przreni verfügt über keine gültige Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik Deutschland. Salemi Przreni ist 2010 ohne Aufenthaltsgenehmigung oder Visum eingereist, bisherige Asylanträge sind negativ beschieden worden. Der Fall ist mehrfach in unterschiedlichen Gremien behandelt worden, unter anderem auch in einem ordentlichen Petitionsverfahren mit einer Anhörung. Der Petitionsausschuss hat die Empfehlung zur freiwilligen Ausreise ausgesprochen. Da Herr Przreni diese Möglichkeit nicht wahrgenommen hat, hält er sich illegal in Deutschland auf. Aufgrund dieses vorliegenden Status kann auch mit der künstlerischen Tätigkeit kein Aufenthaltsrecht erteilt werden. Herr Przreni ist ebenfalls darauf hingewiesen worden, dass er ein geregeltes Visumsverfahren beantragen kann. Damit hätte er die Möglichkeit, für die Ausübung seiner künstlerischen Tätigkeit in die BRD einzureisen. Hiervon wollte Herr Przreni bislang keinen Gebrauch machen.“

Von übereilter Entscheidung kann also keine Rede sein und wenn mehrfach Asylanträge negativ beschieden wurden, erscheint der heute zur Schau getragene Opferstatus zumindest sehr fraglich. Ebenso fraglich, wie der außergewöhnlich intensive Einsatz der beiden Grünen Politik er/innen, der die radikalen Verbalexzesse im Sozialen Netz wohl nicht ganz uneigennützig anfacht. „Gesetze sind für mich als Politiker- /-in nur zur Überwindung da….“ klingt da an und versucht der Empörung eine parteipolitische Geltung zu verschaffen. Flüchtlingspolitik als Selbstzweck? Eigentlich sollten Rechtsnormen ihre Gültigkeit auch in der Umsetzung erfahren, zumindest bis sie in Parlamenten eine Änderung erfahren, denn weder der Beliebtheitsstatus eines Asylsuchenden, noch die subjektive Politkermeinung, dass die Geburt in Deutschland auch die Staatsangehörigkeit verleiht (was in Frankreich gegeben ist), dürfen zu einer individuellen Rechtsauslegung führen.

Vielleicht wäre es auch ein Akt der Solidarität, jungen Asylsuchenden unser Rechtssystem nicht nur auf der Straße oder im Blog nahezubringen. Der Politiker als würdiger Demokrat mit Vorbildfunktion auch in sicherlich menschlich nicht immer einfachen Entscheidungsfällen. Unsere heutige Erfahrung weckt allerdings eher Skepsis.

(stk.)

Kommentar: Skandalöses kommunales Selbstverständnis im Umgang mit Steuergeldern – Rätselhafte politische Willensbildung und Kontrollverlust bei der Stadt Essen

„Es ist doch schon so lange her…“, entgegnete mir heute ein Kommunalpolitiker als wir zufällig gemeinsam den Hinweis des Radiosprechers von Radio Essen auf den vom Magazin Informer aufgedeckten Millionenskandal vernahmen. Eben mal etwas über drei Millionen und eine laufende jährliche Millionenschuld, 4,5 Millionen für ein Vierteljahrhundert, sind nun keine Bagatelle, rein rechnerisch eine Verbindlichkeit von 112,5 Millionen Euro zugunsten eines Vereins und einer unbegründeten Hoffnung, dieser Verein würde dem Image der Stadt Gewinn bringen. Nun ist dieser Fußballverein mittlerweilen alles andere als ein Glanzlicht, und man versteht, dass niemand so recht Freude daran haben kann, jene begründende Euphorie im Brennstrahl einer heutigen Recherche vorgetragen zu bekommen. Geflossenes Geld kommt hierdurch nicht zum Bürger zurück, die Verantwortlichen sind nicht mehr im Amt und Verträge nicht einfach aufkündbar. Anders als mein heutiger Gesprächspartner glaube ich doch, dass eine Aufklärung und transparente öffentliche Darstellung unumgänglich ist. Politiker dürfen nicht damit rechnen können, dass ihr Verhalten, sei es als Fehlverhalten, oder auch durch unterlassener Kontrollfunktion dem Vergessen anheim fallen. Der durch die Informerrecherche aufgedeckte Skandal wird sicherlich dem Ruf dieser Stadt nicht förderlich sein, doch wer dies bemängelt, mag sich vorhalten lassen, dass nur ein sauberes Politikschäft in voller Transparenz zum Glanz einer Stadt beitragen kann. Und dass Unredlichkeit in Essen nicht verborgen bleibt, ist, wie auch schon die einer Lebenslüge verfangene Bundestagsabgeordnete Petra H. erfahren musste, gerade diesem jungen mittlerweilen überregional beachteten Rechercheteam beim Informer zu verdanken. Nun steht der Informer gerade in der ersten Veröffentlichung im aktuellen Skandal, der sich im Lichte der folgenden erst in seiner ganzen politischen Tragweite erfassen lässt. Dabei wird es sicherlich nicht bei einer historischen Rückschau bleiben, der Bürger dürfte neben der geforderten Transparenz auch Konsequenzen einfordern. Es kann nicht dabei bleiben, dass Rot-Weiss-Essen alleiniger Nutznießer jener Steuermillionen ist und andere Vereine und Schulen jeden Cent dringend zur Aufrechterhaltung von Spielbetrieb und Toilettenanlagen erbetteln müssen. Inwieweit rechtliche Schritte gegen die damals Verantwortlichen erfolgen können, werden die weiteren Ergebnisse zeigen. Zu sicher sollte sich niemand fühlen. Der Bürger muss sich auf die Lauterkeit und Kontrolle seiner gewählten Vertreter verlassen können.

hier zu den Artikeln des Informer…

(stk.)

 

1st German-Afghan Economic Forum 2017

Mit einer hochrangigen Beteiligung aus Wissenschaft und Wirtschaft fand vom 9. bis zum 11. Februar in der Essener Messe das erste Deutsch-Afghanische Wirtschaftsforum statt.

Dass Deutschland in Afghanistan einen bedeutenden Ruf besitzt ist sicher nicht nur dem allseits gelobten Einsatz der Deutschen Bundeswehr und dem sozialen Engagement in dem vom Krieg geschwächten Land zuzuschreiben. Eine bis vor den Ersten Weltkrieg zurückgehende Geschichte Deutsch-Afghanischer Verbindungen machen die bis heute spürbare emotionale Nähe aus. Deutsche Schulen und Kulturverbindungen, Verbindungen des Handels und der Wissenschaft haben Tradition. So knüpft dieser erste Wirtschaftskontakt über das zukünftig regelmäßig stattfindende Deutsch-Afghanische Wirtschaftsforum an eine offene Beziehung an. Afghanistan ist ein mit Ressourcen reich gesegnetes Land, dessen Bodenschätze vom Öl über die weltwirtschaftlich gefragten Seltenen Erden Segen oder Fluch bedeuten können, wie es ein afghanischer Geologe mit Hinweis auf die Begehrlichkeiten und politischen Einwirkungen auf das Land beschrieb.

Afghanistan müsste nicht am Tropf fremder Mächte hängen, wenn es unter friedlichen Bedingungen seine eigene Entwicklung steuern könnte. Ein Baustein dürfte diese nun von der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft und dem Essener Informer-Magazin initiierten Begegnung darstellen, deren Einladung afghanische und deutsche Wirtschaftsfachleute zusammen brachte.

Die Erle veröffentlicht morgen ein Interview mit Prof. Dr. Dipl. Geol. Abdul Rahman Ashraf, langjähriger afghanischer Regierungsberater, Botschafter und Professor an deutschen Hochschulen zur Situation und Perspektive der afghanischen Entwicklung und Zusammenarbeit.

(stk.)

WAZ-Gruppe duzt jetzt seine Leser und fordert zum „Teilen“ auf

Onlinejournalismus kostet Geld, auch dann, wenn man als sogenanntes „Printmedium“ nur den Anschluß an den Puls der Zeit nicht verlieren will. Da lauert ein Dilemma für die Papierverwerter, denn warum sollte der Leser Inhalte auf Papier kaufen, wenn er sie günstiger oder frei im Netz erhalten kann. Berufsständische journalistische Veranstaltungen thematisieren diesen Grundkonflikt in schöner Regelmäßigkeit und ebenso sind die „Neuerfindungen“ und Verheißungen dann im Netz zu finden. So auch gerade bei der Funke-Gruppe, die natürlich nicht aus der Welt des „open source“ kommt und letztlich mit Nachrichten einen Gewinn einfahren muß, was bei allgemein im Zeitungswesen abnehmender Käuferzahl immer schwieriger wird. Irgendwann ist dann die Bedienstetenzahl zu minimieren und natürlich auch jeder Versuch zu unternehmen, mit Anzeigenwerbung und Kundenbindung sich aus dem Dilemma zu befreien. „Kundennähe“ heißt die Zauberformel und die WAZ nimmt das gerade mal wörtlich. Der Leser wird gleich „geduzt“. Was sich kein Autofahrer gegenüber einem Schutzmann wagen sollte, Duzen ist ein Beleidigungstatbestand, ist in der Werbung und auf vermeintlich vertrauten Portalen problemlos. Und natürlich kann man den Kunden, sprich Seitenbesucher auch noch indirekt bezahlen lassen. Indem man nämlich die Inhalte erst nach dem Teilen in Soziale Netze erscheinen lässt. Das ist dann kostenlose Werbung für das von Werbung lebende Papierprodukt. Also, „Sie“, lieber Leser, Sie bezahlen damit, dass sie der WAZ durch Ihre Empfehlung bei Facebook, oder sonstwo, einen größeren Bekanntheitsgrad vermitteln. Oder anders gesehen, der WAZ Türen in Ihren „Freundeskreis“ öffnen. Ob das jedenfalls langfristig dem Produkt förderlich sein wird, darf bezweifelt werden. Selbst Insider dürften das kritisch sehen.

Eine Bitte lieber Leser, empfehlen Sie uns nur dann, wenn Ihnen die Inhalte gefallen,  und ansonsten bleibt es hier online gratis. Wie warb ein Massenanbieter auf großflächigen Plakaten… „ich bin doch nicht.. !“, es geht billiger, möchten wir ergänzen.

Titelfoto: Bildschirmfoto

(stk.)

Öffentlicher Nahverkehr in Essen, teuer, teurer und wenig effektiv?

Einen effizienten Nahverkehr vorzuhalten gilt als Pflicht jeder Gemeinde. Doch was ist effizient, wenn der Individualverkehr den Bürgern oft als bessere Alternative zu den öffentlichen Angeboten erscheint? Im Ruhrgebiet sucht man das Wohl gern in einem Verkehrsverbund mit Nachbarstädten, nicht ganz konfliktlos. Neben der allgemein beklagten zu geringen Annahme voen Bahn und Bus gibt es auch sachliche Kritikpunkte, die die Effizienz und Wirtschaftlichkeit betreffen. Einer der Kritiker ist Wolfgang Meyer, der aus seiner eigenen Berufserfahrung harte Vorwürfe gegen aktuelle Planungen der Verkehrsbetriebe erhebt. Wir sprachen mit ihm und veröffentlichen nun das Interview, das den Einstieg zu einer Themenreihe zum ÖPNV in der Erle bildet:

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Wolfgang Meyer, re., im Gespräch mit Hans-Joachim Steinsiek

Das Gespräch mit Wolfgang Meyer wurde Anfang Oktober dieses Jahres in Essen geführt. Weitere Berichte und Interviews folgen.

(stk., Foto: Armin Thiemer)

Der Lebenslüge zweiter Akt? Petra Hinz klagt an. Ein Kommentar

Der Fall der Petra Hinz ist in seiner ganzen Dimension schon sehr extrem. Dies liegt sicherlich nicht an der heute schnellen und weiten Verbreitung von Nachrichten über die neue Medien, die diesen Fall erst aufgedeckt haben. Eine komplette Biografie fälschen ist für einen demokratischen Repräsentanten eben keine Bagatelle, die mit sonstigem Fleiß relativiert werden könnte. Es bleibt Betrug am Wähler und Bürger und rechtfertigt die öffentliche Ächtung, wie sie Hinz bundes-, ja europaweit aus den Berichten entgegenschlug. Dass Hinz nun in einem Interview zu einem verzweifelten Gegenschlag gegen ihre Partei und deren örtliches Establishment ausholt, macht ihre Lage nicht besser. Noch in stationärer Behandlung, sieht sie sich veranlasst, NRW-Justizminister und lokaler Parteivorsitzender Thomas Kutschaty öffentlich der Lüge und Kampagnenführung gegen sie gerichtet, anzuklagen. Die Argumente sind dünn und auf die bloße Behauptung gegründet, Kutschaty habe Wort gebrochen und selbst NRW-Ministerpräsidentin Kraft sei es nicht an Hilfe, sondern an schnelle Beseitigung der Störfunktion gelegen.

Sicherlich ist es bedauerlich, wenn ein Mensch derartig tief fällt, wie es Petra Hinz augenblicklich wohl erleidet. Doch es gibt da auch eine andere Perspektive, denn was offenbar ist, deutet eben nicht auf einen einmal gemachten Fehler im Leben hin, sondern um eine systematisch beibehaltene und auch erweiterte Lebenslüge. Lebenslügen dieser Art sind Teil psychiatrischer Krankenakten. Und auch Petra Hinz befindet sich nun in stationärer Behandlung, sollte man vielleicht besser sagen, endlich? Denn eine frühere „Aufarbeitung“, was nur eine moderne Bezeichnung für einen therapeutischen Prozess darstellt, hätte vielleicht dieser Patientin helfen und noch korrigieren können. Dass Hinz nun aus diesem geschützten Raum der Behandlung noch in die Öffentlichkeit hinein wirken will, und sich dabei nicht auf die entschuldigende Geste beschränkt, ist wiederum eine äußert fragliche Aktion. Der Wechsel von der Opfer- in die Klägerrolle ist nicht sehr überzeugend und man darf den Verdacht hegen, dass dieses Verhalten eher einer Erkrankung entspringt. Soll das Lebensdrama nun wenigstens schuldhaft mittels eines Mythos mit den Aktionen der Umwelt verknüpft werden? Dabei geht es nicht darum, die derzeitigen Akteure der Essener Partei, oder gar die Person der Ministerpräsidentin zu schonen. Das Versagen gerade in der Essener SPD sollte schon mehr Selbstkritik hervorrufen, es bedarf aber nicht eines über die Medien ausgetragen neurotischen Schaukampfes. Petra Hinz sollte die Chance nutzen, Erklärungsmodelle mit ihren Behandlern zu erörtern, Journalisten können das Gebotene fachlich nicht ersetzen.

Auch sollte der Wähler es nicht zulassen, das Essener Problem auf die singuläre Ebene einer Patientin herunter zu brechen. Die Essener SPD hatte Kenntnis, was viele Aussagen belegen, aber keine Fragen. Überhaupt war und ist Fragen in dieser Partei nicht hoch im Kurs, weder bei öffentlichen Fragen im Kontext des abgewählten Ex-OB Paß und anderen Problemfällen, noch im Kontakt mit den Essener Medien. Bis heute hat man hier noch nicht hinzu gelernt. Presseeinladungen und Informationen steckt man lieber selektiv. Als könnte man im Zeitalter schnell reagierender Medien diese auch nur ansatzweise manipulieren, aber Lebenslügen sind keine Phänomene, die auf Einzelpersonen beschränkt sind. Auch Gruppen und Institutionen können dem Versuch einer eigenen Wirklichkeitsbeschreibung erlegen sein. Hier wird die Presse weiter achtsam sein müssen, im Fall Petra Hinz führte der Weg in die Behandlung über das Agieren von Presseleuten, ob der Essener SPD eine Behandlung noch helfen könnte, es wird selbst von vielen, z. T. bereits ausgetretenen Genossen bezweifelt.  Petra Hinz wird die jetzige stationäre Behandlung wohl auch eine Unannehmlichkeit ersparen. Sollte sich noch ein juristisches Nachspiel strafrechtlicher Art ergeben, würde eine sonst in vergleichbaren Fällen übliche psychiatrische Begutachtung wohl entfallen. Wir wollen hierüber aber ebensowenig spekulieren, wie über die Frage, ob mit der verzögerten Mandatsniederlegung nur ein finanzieller Vorteil gewahrt wird. Das diese Verzögerung aber nur durch das Verhalten von Justizminister Kutschaty bedingt sein soll, darf wohl als private Metaphysik von Petra Hinz gewertet werden.

(Hans-Joachim Steinsiek, Essen)

Reporter, Journalisten und Moralisten

Ich weiß nicht wie es Ihnen ergeht, wenn Sie morgens, sofern noch vorhanden, eine Zeitung aufschlagen. Ich übergehe häufig die ersten Titelseiten, denn deren Inhalte beinhalten für mich zumeist keinen neuen Erkenntniswert. Fernseh-, Hörfunk und natürlich die internationalen Netzwerke haben fast immer alle wesentlichen Inhalte schon überbracht und erste Kommentierungen aus unterschiedlichen Quellen sind leicht greifbar. Da meine Sportart nicht jedermanns Plaisir darstellt, wird der Sportteil des Tagesblattes auch fast immer wortlos an die Tischseite geschoben. Das Studium der Todesanzeigen und der vereinzelten Hochzeitsanzeigen erspare ich mir, das Vergängliche und die Glut der Hoffnung liegen oft nur zu nahe beieinander. Es bleibt dann meist nur der Lokalteil mit seinen Banalitäten und Mitteilungen, ein kurzer Blick über die Kulturbeilage folgt, wenngleich deren Inhalte ja bekanntlich nicht an die darauf spezialisierten Magazine in Druck und Netz heranreichen. Bei Kultur beschleicht mich zeitweilig das Gefühl, dass die knappen Seiten wohl nur der Begründung für erhoffte Anzeigenschaltungen der größeren Häuser dienen. Abbestellen und nur auf die umwelt- und papierschonende Digitalwelt setzen scheiterte bisher, trotz der Einsparperspektive an der gewohnheitsgebundenen Schwäche der Trägheit. Also sitze ich, wie wohl viele Zeitgenossen, jeden Morgen vor dem Arbeitsergebnis derer, die im Volksmund mal Reporter, mal Journalisten, oft auch nur mit dem platten und zusammenfassenden Begriff „Zeitungsmacher“ umschrieben werden. Doch was machen die eigentlich? Was soll mich erreichen? Immer öfter ärger ich mich, denn meine Kategorien und Begriffe beschreiben nicht mehr das, was mir vorgelegt wird. Weder ein die reale, im Lokalteil ja schon räumlich begrenzte Welt beschreibendes Produkt erscheint, noch beschränken sich die Schreiber auf ihre eigenen Wahrnehmungen. Da werden „Journalisten“ zu Reportern der Arbeit anderer Journalisten und versteigen sich in hochmoralische Bewertungen derer Veröffentlichungen. Ein Metadiskurs mit dem Gegenstand Journalistik in lokalen Angelegenheiten entsteht und zieht den Journalisten in das Arbeitsfeld des Reporters, der sich aus diesem beschämenden Abstieg nur noch durch ein recht schlau klingendes moralisches Urteil befreien kann. Das muss dann recht eindeutig und bestimmend klingen und an allgemeingültige Meinungen und Urteilsweisen anknüpfen, um Gewicht zu erhalten.

Das Dumme ist dann nur, und auch das entstammt einer banalen Erfahrung, die Moral beendet das Denken und Suchen, nämlich der Wahrheit und möglichen Alternativen. Die Moral ist dann der Endpunkt der intelligenten Erkenntnissuche, eben das, von dem ich immer dachte, es sei das Prädikat von Journalistik. Seit mir diese Erkenntnis reifte, bin ich allen morgendlichen Blättern gegenüber sehr skeptisch geworden. Irgendwie kommt mir der Verdacht, das mit der Begrenztheit des Erkenntnisvermögens sich die Fremdwahrnehmung verengt und in der Sackgasse der behaupteten Letztbegründung des Kommentares endet. Und es fällt mir auch auf, dass sich jene freiwillig selbst auf den Report begrenzenden Journalisten häufig durch ihre eigenen Kollegen im digitalen Theater bedroht fühlen. Da macht es sich immer gut, die Zeitgenossen vor dem großen „Shitstorm“ dieser unheimlich und schnell reagierenden Zeiterscheinung „schützen“ zu wollen. Politiker haben das schon mitbekommen und handeln instinktiv. „Aussitzen“ ist zu einem geflügelten Wort geworden, es kommt darauf an, länger sitzen zu bleiben, als die Wahrheitssuche andauert. Mancher soll es schon „überlebt“ haben, wenn digitale „Shitgewitter“ sich bedrohlich zusammenbrauten. Und immer häufiger ist diese Strategie eine denkbare Option. Wenn Lokalreporter zur Moralkeule greifen, darf sich auch nur vermeintliche Wahrheit sicher fühlen. Gefährliche Wahrheitssucher sollen dann wohl wissen, wer den lautesten Hirschgesang röhrt. Es gibt was zu verteidigen, die Wahrheit stirbt und wird nicht angezweifelt. Mein Platz, nicht wegrationalisiert, muss seine Geltung beweisen, Journalismus war gestern, Ethik und Moral müssen verkündet werden.

Ob meinen abonnierten Zeitungsmachern die moralstrotzenden Meinungszuschriften was bedeuten? Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, sie passen sich den Stimmen der Straße immer mehr an. Oder spricht gar die Straße aus der Feder unserer neuen Moralisten? Ich werde wohl mehr Ausschau nach denen halten, die auf dem Weg zur Wahrheit nicht die erste Abfahrt wählen. Vielleicht sollte ich auch erwägen, etwas Geld zu sparen. Die Abos der Papierlieferanten werden stets teurer und da wäre nur meine Trägheit zu besiegen… lassen wir es, ich denke wohl schon zu lange darüber nach, Reporter sind heute entschlussfreudiger, sie sprechen ein Urteil und … ab der Bart.

Hans-Joachim Steinsiek, 3. 7. 2016

z. Zt. Vexjö, Schweden

 

Strafrichter soll Genossen vor „übler Nachrede“ schützen – Ärger im Vorfeld des SPD-Unterbezirksparteitags

SPD-Ratsherr Thomas Rotter will es nicht auf sich sitzen lassen. Innerhalb der SPD in Essen kursieren Gerüchte, die den „Sprecher der SPD-„Zukunftswerkstatt“ durchaus nicht im besten Lichte erscheinen lassen, wenn beispielsweise behauptet wird, „Rotter sei mit einem sechsstelligen Betrag von der Wohnungsbaugesellschaft Allbau versorgt worden. Vermutlich um als Aufsichtsratschef des städtischen Unternehmens Grünes Licht dem Verkauf von 139 Wohnungen im Hörsterfeld zuzustimmen.“ Dieses Gerücht sei getragen vom Steeler SPD-Stadtteilpolitiker Klaus Johannknecht, der dies so in einer SPD-internen Sitzung behauptet habe. Johannknecht widerspricht dagegen vehement und hat einen Anwalt eingeschaltet. Denn weder lägen ihm dafür Beweise vor, noch habe er das so behauptet. Auch Allbau-Geschäftsführer Dirk Miklikowski hat gegen Johannknecht Strafanzeige erstattet. Pikant ist allerdings, dass der Vorfall in einer als intern deklarierten Versammlung gefallen sein soll, was wohl die juristische Frage aufwerfen wird, ob damit ein Straftatbestand begründet wird, oder ein Genosse im Vertrauen auf das offene Wort seine Meinungsäußerung tätigte. Zumindest dürfte Pulvergeruch in der Luft gelegen haben, denn Spannungen in der zerrissenen lokalen SPD sind im Vorfeld des SPD-Unterbezirksparteitages ja bereits in den Medien verbreitet. Dass aber interne Gespräche zur Anrufung des Strafrichters führen, lässt eine gespannte Nervosität der Parteivertreter vermuten und stellt einen weiteren Höhepunkt der Auseinandersetzungen dar. Hintergrund der breiten Auseinandersetzung sind Forderungen der einzelnen SPD-Ortsvereine, den neu zu wählenden Unterbezirksvorstand nicht mit Mandatsträgern zu besetzen. Die hohen Wahlverluste und die nicht erreichte Wiederwahl ihres letzten Oberbürgermeisters haben die Partei zerspalten und zu einem größeren Mitgliederverlust geführt.

(stk.)

 

Kommentar: Schießt „Grün und Gruga“ ins Kraut? – Ist die Rückführung in die Kernverwaltung geplant?

Gärtnerarbeiten können teuer werden. Ästhetik kostet Geld und zwischen Bedarf und Bedürfnis liegen psychologische Kriterien.
Jeder Gärtnermeister kennt die Bedingungen seines Ladens und wird die Verhältnismäßigkeit wachsam hüten, will er nicht riskieren, dass die Zahlen aus dem Ruder laufen. Grün und Gruga scheint eigentlich als sogenannte „Stadttochter“ gut gepolsterte Rahmenbedingungen zu besitzen. Wir erinnern uns zum Beispiel an die in der Erle immer wieder erhobene Frage nach den Aufwendungen für eine eigens für den Umgang mit dem Bürger angeheuerte Diplom-Psychologin, über die bis heute Verschwiegenheit gewahrt wird. Selbst der damals amtierende OB, dem ja nicht gerade eine Vorliebe für Transparenz nachgesagt wurde, ließ sich per Presseantwort zum Beschützer jener Dame machen, über die keine Zahlen in die Öffentlichkeit gelangen sollten („Verschwiegenheit über die Einkünfte sei besonders vertraglich vereinbart worden“, teilte man uns mit.) „Mediation“ über den Wunschwald und Kommunikation mit „nicht immer einfachen Bürgern…“, sicher eine Aufgabe, für die hochspeziell ausgebildete Förster und ein Pressesprecher nicht ausreichen. Nun sollte es sich beschwichtigenden Angaben zufolge nicht um eine überaus hohe Summe handeln, doch uns leuchtet immer noch nicht ein, warum der Bürger per Steuer etwas bezahlen soll, über das Grün und Gruga keine Rechenschaft abgibt.
Nun hört man, dass Grün und Gruga immer noch keinen Wirtschaftsplan für 2016 vorgelegt hat, trotz dafür eigens einberufener Sondersitzung. Auch hier darf der Bürger raten, welche Gründe vorliegen. Überhaupt scheinen bei dieser Stadttochter Verzögerungen nicht ungewöhnlich. Der Preis für mangelnde Transparenz sind natürlich immer Gerüchte. Und diese schießen mit Grün und Gruga wohl nun auch ins Kraut. Soll Grün und Gruga wieder in die Kernverwaltung einbezogen werden? Wird dies in einer am 3. 5. 2016 einberufenen Sondersitzung das Hauptthema? Dem neuen OB würde man die Tatkraft auch ohne psychologischen Beistand zutrauen, könnte doch mehr Transparenz und vielleicht auch ordentlich Geld zu sparen sein. Denn wieviel Bäume hätte man wohl für die Aufwendungen „Waldmediation“ erwerben und pflanzen können? Die Langzeitwirkung wäre dann für alle Bürger sichtbar und trüge zur Gesundung von Wald und sicher auch der Stadtkasse bei.
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Toll, höchster Stand der der Straftaten seit 2004, durchschnittlich nur jeder 7. aufgeklärt, aber unsere Polizei hat Fortschritte gemacht!

Die Essener Polizei legt mal wieder ihre Statistik vor, diesmal zur „Kriminalitätsentwicklung 2015“. Ein 44 Seiten umfassendes Dokument mit reichlichem Zahlenmaterial, das jeder Stammtischdiskussion ein abendfüllendes Programm sichern könnte.

Wären da nicht die vielen sich hinter Zahlen verbergenden Dramen in den Familienwelten der Betroffenen, könnte man das ja in eine einfache Arithmetik pressen und es auch noch gewinnbringend in die Schlagzeilen befördern. Ein Lokalmedium erliegt auch gleich dem Kriminalitätsmarketing und titelt „Essen steht im Vergleich mit anderen Großstädten nach Einschätzung der Polizei nach wie vor recht gut da“. Den Bürgern, und insbesondere den durch Straftaten Betroffenen, dürften solche Sprachspiele sauer aufstoßen, denn eine Grunderwartung des Bürgers an seinen Staat ist die Sicherung der Unversehrtheit, und da hilft es wenig, erklärt zu bekommen, dass die Polizei sich freut, minimale Verbesserungen ihres Auftrages erreicht zu haben. Ein Kommentar auf dem Hintergrund horrender Kriminalitätsraten, „Mit unseren Zahlen können wir nicht gegen Furcht anreden“ aus dem Munde einer Kriminaldirektorin, klingt da wenig empathisch für die berechtigten Erwartungen der Bürgerschaft. Gerne würde man dagegen mehr darüber erfahren, warum die Polizei so wenig im Gesamtergebnis ausrichten kann und woran dies gebunden ist. Hier geht es nicht darum der Polizei und gar dem einzelnen Beamten mangelnden Einsatz unterschieben zu wollen, aber um der Institution Polizei eine höhere Effizienz zu ermöglichen, ist mehr nötig, als vergleichende Abschwächung der sich im Gesamtergebnis für den Bürger verschlechternden Gesamtsituation.

Wer sich in die Details der Kriminalstatistik einarbeiten will hat hierzu Gelegenheit, der Report ist zugänglich über…
hier anklicken…!

Eine erste politische Stellungnahme nimmt die Essener CDU-Fraktion vor, die wir hier wiedergeben:

„Nicht mit erschreckenden Einbruchszahlen abfinden

Im letzten Jahr wurden in Essen so viele Straftaten verübt wie seit über 25 Jahren nicht mehr. Besonders dramatisch ist dabei der Anstieg der Wohnungseinbrüche, die seit 2014 um etwa 23 Prozent weiter zugenommen haben.

Dazu Fabian Schrumpf, ordnungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Der erneute Rekordanstieg bei den Wohnungseinbrüchen ist dramatisch und beängstigend. Im letzten Jahr wurde 1.724-mal in Essener Wohnungen und Häusern eingebrochen, was fast fünf Wohnungseinbrüchen pro Tag entspricht. Diese Straftaten belasten das Sicherheitsempfinden der Essener Bürgerinnen und Bürger erheblich und können für die Opfer traumatisierend sein. Damit dürfen wir uns nicht weiter abfinden. Der NRW-Innenminister muss seiner Verantwortung endlich gerecht werden und wirksame Sofortmaßnahmen einleiten. Insbesondere die gut organisierten und überregional aktiven Einbrecherbanden müssen stärker bekämpft werden. Auch hierzu bedarf es – neben eines schlüssigen Gesamtkonzepts – dringend zusätzlicher Polizeikräfte.“

(stk. u. ü. Pm.)