PCB-Belastung in Kray – Umweltamt, LANUV und Bezirksregierung Düsseldorf informieren

Ende Juli veröffentlichte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) die Ergebnisse der Grünkohluntersuchungen aus dem Jahr 2016 im Umfeld der ehemaligen Firma Richter. In einer Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger, die bewusst außerhalb der Sommerferien in NRW stattfindet, möchte die Stadt Essen gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des LANUV NRW sowie der Bezirksregierung Düsseldorf nun alle betroffenen Essenerinnen und Essener zur PCB-Belastung in Kray informieren.

Am Mittwoch, 6. September, um 18 Uhr, werden im Rathaus Kray, Kamblickweg 27, die Ergebnisse der Grünkohluntersuchungen an den Messstellen in Kray aus dem Jahr 2016 vorgestellt und erläutert. Darüber hinaus stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirksregierung Düsseldorf und des Umweltamtes den derzeitigen Sachstand für die Betriebsgelände an der Joachimstraße und Rotthauser Straße nach Insolvenz der ehemaligen Firma Richter dar und zeigen Zukunftsperspektiven für beide Gelände auf. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Expertinnen und Experten der teilnehmenden Institutionen zu weiteren Aspekten des Themenkomplexes zu befragen.

Klimawandel hautnah

Katastrophenschutz statt Familienfest: Am vergangenen Pfingstwochenende hatten Menschen in zahlreichen Regionen des Landes mit hochdramatischen und außergewöhnlichen Wetterlagen und Starkregen zu tun. Über die Jahre zeichnet sich dabei ein Trend ab: Gerade in Städten werden die Folgen des Klimawandels immer stärker spürbar. Städtische Grünanlagen können nicht nur einen wirksamen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten sondern gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen und somit die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse reduzieren.

Starkregen als Folge des Klimawandels
Regionale Extremwetterereignisse wie Hitze, Sturm und Starkregen sind nicht nur für Menschen belastend. Starkregen kann schnell zu ansteigenden Wasserständen und zu Überschwemmung führen, häufig auch geht er mit Bodenerosion einher.

Genau das ist vielerorts geschehen. Ein Beispiel: Schwere Unwetter überzogen den Landkreis Hildesheim in Niedersachsen am Sonntagabend. Innerhalb kürzester Zeit fielen 40 Liter Wasser pro Quadratmeter. In Nordhessen wurden laut Polizei Straßen überschwemmt und Keller geflutet. Der Frankfurter Flughafen meldete zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen.

Klimaforscher sagen voraus, dass derartiger regionaler Starkregen auch zukünftig verstärkt auftreten wird. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK) und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) könnte sich die durch Extremwetter verursachte Schadenssumme von derzeit 500 Millionen Euro jährlich ohne entsprechende Gegenmaßnahmen deutlich vervielfachen.

„Hochwasser ist auch die Folge ökologischer Sünden, deshalb sind wachsende Städte und Kommunen und die damit einhergehende Versiegelung von Flächen für diese Ereignisse mitverantwortlich“, so  Eiko Leitsch, Vizepräsident des Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL).

Hochwasserschutz durch Entsiegelung
Insbesondere bei Starkregenereignissen mit über 100 Litern pro Quadratmeter wird die städtische Kanalisation überbelastet: Die Kanalnetze können derartige Niederschlagsmengen nicht aufnehmen, überflutete Keller und Straßen sowie schwimmende Autos sind im Extremfall die Folge.

Abhilfe schafft da natürlicher, vorbeugender Hochwasserschutz:  Grünflächen, auch Gründächer, sind wichtige Wasserspeicher, die Überschwemmungen verhindern helfen. Vegetationsräume und Versickerungsflächen mit Pflanzen wie Parks oder Stadtwälder können hier einen wichtigen Beitrag leisten.

„Besonders die Entsiegelung asphaltierter und betonierter Flächen ist eine wichtige Maßnahme, um die natürliche Versickerung und Verdunstung von Regenwasser zu reaktivieren, die Kanalisation zu entlasten und den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen“ so der Vizepräsident.
Derzeit wird allerdings täglich eine Fläche von rund 88 Fußballfeldern, umgerechnet etwa 63 Hektar Land, in Deutschland versiegelt. Gemäß der Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung sollte die Flächeninanspruchnahme bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag begrenzt werden. „Langfristig streben wir ein Netto-Null-Ziel an“, so Leitsch.

Wetterrisiken entgegensteuern
Gleichzeitig bietet städtisches Grün eine vergleichsweise kostengünstige Alternative, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzusteuern. Die Fähigkeit von Pflanzen und Grünflächen, Niederschläge zurückzuhalten und somit die Kanalisation in den Städten zu entlasten, können bei der Reduzierung von Extremwetteraufkommen helfen. Hinzu kommt, dass Pflanzen Kohlenstoff binden und diesen der Atmosphäre entziehen. Zudem reduzieren sie die Belastungen durch Feinstaubemissionen.

Weitere Informationen zu städtischem Grün unter
www.gruen-in-die-stadt.de

(ü. Pm.)
„Grün in die Stadt“ ist eine Initiative des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. Die Initiative bündelt Informationen zu vielen positiven Aspekten städtischen Grüns und dient zugleich als Plattform für Dialog und Austausch mit allen Interessierten.

Kröten und Co. wandern zu ihren Laichgewässern-Amphibienwanderung 2017 beginnt

Das Frühjahr des Grünen Hauptstadtjahres 2017 naht. Bereits in diesen Tagen brechen wieder zahlreiche Amphibien auf, um aus den Winterquartieren zu ihren Laichgewässern (Tümpeln, Teiche, Weiher, Pfützen, Wagenspuren) zu wandern. Dabei müssen sie an einigen Stellen im Stadtgebiet Straßen überqueren, was für die Tiere große Gefahr bedeutet.

Kreuzkröte auf Industriebrache. Foto: Christoph Korek

Besondere Orte sind solche, wo unter zu Hilfenahme mobiler Fangzäune Mitglieder des Naturschutzbundes Ruhr und engagierte Bürgerinnen und Bürger die Tiere einsammeln und sie über die Straße tragen, damit die Amphibien sicher an ihren Laichgewässern ankommen. Teilweise werden die Amphibien aber auch durch fest installierte Leitsysteme selbstständig sicher auf die andere Straßenseite geleitet, um zu ihren Laichgewässern zu gelangen.

Amphibienwanderungen finden in unserem Stadtgebiet beispielsweise im Hespertal, in Heisingen, in Bergerhausen, in Schuir, in Werden und in Burgaltendorf statt. An der Wanderung nehmen vorwiegend Arten wie Erdkröten, Grasfrösche, Teich-, Bergmolche und Feuersalamander teil.

Der Feuersalamander ist ein typischer Bewohner von Mittelgebirgsbächen. In Essen kommt der Feuersalamander noch in einigen Bachtälern vor, die vorwiegend von Laubwald umgeben sind. Der Feuersalamander besitzt ein giftiges Hautsekret, das ihn vor zahlreichen Fressfeinden schützt.

Alle Autofahrer werden deshalb wieder gebeten, im Zeitraum zwischen Ende Februar und Mitte April, vor allem in den Abendstunden, besonders vorsichtig zu fahren.

Amphibien (Lurche) sind durch den zunehmenden Straßenverkehr, den Klimawandel, durch Krankheiten – vor allem durch zunehmende Pilzkrankheiten – mehr denn je gefährdet.

Deshalb sind die Anlage, Pflege und Entwicklung von Teichen und Tümpeln in der freien Landschaft, in Gärten, Parks und Grünanlagen sehr wichtig. Außerdem müssen weitere Lebensstätten dieser Tiergruppe, wie Sommer- und Winterquartiere in (Feucht-) Wiesen, Wäldern, Gehölzstreifen, Gärten und Parks, auf Ruderal- und Brachflächen langfristig erhalten und auch geschützt werden.

Zum Hintergrund:

In Essen leben heute noch 12 verschiedene Amphibienarten. Dazu zählen sowohl noch relativ häufig vorkommende Arten wie Erdkröte, Grasfrosch, Teich- und Bergmolch als auch seltenere Arten wie Geburtshelferkröte, Kammmolch und Kreuzkröte. Die Kreuzkröte beispielsweise ist eine Amphibienart, die als Lebensraum mit Vorliebe alte Industrie-, Kohlenlagerflächen und Halden bewohnt und somit zu einer Charakterart des Ruhrgebietes geworden ist. Im Aussehen unterscheidet sich die Kreuzkröte im Vergleich zur häufig vorkommenden Erdkröte durch einen gelben Längsstreifen auf der Rückenmitte, durch verkürzte Hintergliedmaßen, durch die sie sich weniger hüpfend sondern durch flinkes Laufen fortbewegt.

Laut Gesetz sind alle Amphibienarten ganzjährig geschützt. Seltenere Arten besitzen zudem noch einen strengeren Schutzstatus.

Wo Amphibien existieren, sind die Lebensräume noch weitestgehend intakt. Verschlechtern sich die Biotope oder Lebensräume, in denen Amphibien leben, verschwinden die Amphibien dauerhaft aus diesen Lebensräumen. Amphibien zählen neben zahlreichen anderen Tier- aber auch Pflanzenarten zu den Bioindikatoren, die uns Menschen anzeigen, ob ein Biotop oder Lebensraum noch „bewohnbar“ ist oder nicht.

Titelfoto: Feuersalamander im Laubwald. Foto: Sascha Kehren
(ü. Pm.)