Abschied nach 22 Jahren: Landgerichtspräsidentin Dr. Monika Anders geht in den Ruhestand

Im Juni 1996 trat sie ihr Amt an: Jetzt geht Dr. Monika Anders nach fast
22 Jahren als Präsidentin des Landgerichts Essen in den Ruhestand.
Ihre Laufbahn als Richterin begann Dr. Monika Anders 1979 am Landgericht Köln in einer Kammer für Bausachen. Noch während ihrer Probezeit  Verwaltungserfahrung u. a. als Mitarbeiterin des Justizprüfungsamtes. Anschließend war sie am Amtsgericht und am Landgericht Köln in der Rechtsprechung und in der Verwaltung eingesetzt. Am Landgericht, wo sie verschiedenen Zivil- und Strafkammern angehörte, darunter dem Schwurgericht und einer Kammer für Betäubungsmittelstrafsachen, wurde sie 1982 zur Richterin auf Lebenszeit ernannt. Ihr weiterer Weg führte sie ins Justizministerium in Düsseldorf. Hier war sie drei Jahre lang in der Personal- und Haushaltsabteilung tätig. Anschließend wechselte sie als Richterin an das Oberlandesgericht Köln. Sie war dort ebenfalls in der Rechtsprechung und in der Verwaltung tätig.
Anfang 1992 wurde Dr. Monika Anders zur Leitenden Ministerialrätin im Justizministerium und zur stellvertretenden Leiterin des Landesjustizprüfungsamtes ernannt. Dies war ihre letzte Station vor dem Wechsel nach Essen. Als Präsidentin des Landgerichts Essen trug Dr. Monika Anders nicht nur Verantwortung für die rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landgerichts, sondern auch für die Amtsgerichte in Essen-Borbeck, Essen-Steele, Gelsenkirchen, Gelsenkirchen-Buer (bis zur Zusammenlegung mit Gelsenkirchen), Bottrop, Dorsten, Gladbeck, Hattingen und Marl, außerdem für die Ambulanten Sozialen Dienste der Justiz mit ihren
Fachbereichen der Bewährungshilfe, der Gerichtshilfe und der Führungsaufsicht.
In ihrer Amtszeit hat Dr. Monika Anders viele Veränderungen in der Justiz begleitet und mitgeprägt: Der Umstieg von Schreibmaschine und Durchschlagspapier auf die heutige EDV-Vollausstattung gehört ebenso dazu
wie die Reorganisation der gerichtlichen Geschäftsstellen und wichtige  Baumaßnahmen: Zuletzt wurde im Frühjahr 2016 der neue Saaltrakt an der Kortumstraße eingeweiht, dessen Planung und Bau sie vorangetrieben hat. Die zukünftige elektronische Aktenführung vorzubereiten und damit den Anschluss der Justiz an das digitale Zeitalter zu gewährleisten, gehörte ebenfalls zu ihren Aufgaben.
Ein wichtiges Anliegen war Dr. Monika Anders vor allem die Personalführung und -entwicklung sowie das Fördern des juristischen Nachwuchses: Schon als Proberichterin leitete sie Arbeitsgemeinschaften für Rechtsreferendare und wurde 1984 zur damals jüngsten Prüferin im Zweiten Juristischen Staatexamen ernannt. Gemeinsam mit Burkhard Gehle hat sie ein Standardwerk der Ausbildungsliteratur verfasst: Den „Anders/Gehle“,
der aktuell in der 13. Auflage erscheint und bundesweit von Referendaren geschätzt wird. Die Prüfungstätigkeit wird sie über ihre Pensionierung hinaus fortsetzen. Ein besonderes Kennzeichen der Amtszeit von Dr. Monika Anders ist auch das Einbinden des Landgerichts in das Gesellschaftsleben der Stadt Essen und ihrer Umgebung. In Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung kultureller Zwecke im Landgerichtsbezirk Essen e. V., zu dessen Mitgründern sie 1999 zählte, hat sie das Justizgebäude für regelmäßige Kunstausstellungen, Vorträge und Konzerte geöffnet. Zu nennen ist dabei auch die kritische Auseinandersetzung mit der Justiz im Nationalsozialismus: Eine Dauerausstellung zu diesem Thema im Foyer des Justizgebäudes zeugt ebenso davon wie die Errichtung von zwölf Stelen am gleichen Ort, die an die Lebensläufe verfolgter Juristen aus dem Essener Bezirk erinnern.
Der Zusammenarbeit mit dem Förderverein ist es auch zu verdanken, dass inzwischen zahlreiche Kunstwerke – ermöglicht durch engagierte Mäzene und Leihgeber – dauerhaft ihren Platz im Justizgebäude gefunden haben: Beispielsweise das Triptychon „Justitia. Wandel der Zeit. Cosmas und Damian“ von Johanna R. Wiens, das die Eingangshalle prägt oder die Skulptur „Kopf, Kopf, Geist“ von Guido und Johannes Häfner in einem der Innenhöfe, die im Dezember 2017 enthüllt wurde.
Als Vorsitzende der Juristischen Gesellschaft Ruhr e. V. hat Dr. Monika Anders zahlreiche Fachtagungen mitveranstaltet. Wichtig war ihr dabei stets der Austausch über die Grenzen juristischer Fächer und Berufsgruppen hinweg, wie vor allem ihr Engagement für den Deutschen Juristentagzeigt , den alle zwei Jahre stattfindenden größten europäischen Rechtskongress. Als der 71. Deutsche Juristentag auch auf ihre Initiative hin im September 2016 mit über 2.500 Teilnehmern in der Messe Essen stattfand, zeichnete sie als Vorsitzende des Essener Ortsauschusses mitverantwortlich für Fundraising und Organisation des umfangreichen Rahmenprogramms.
An diesem Dienstag (27.02.2018) verabschiedet sich Dr. Monika Anders
im Landgericht von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die offizielle Verabschiedung durch Minister der Justiz Peter Biesenbach findet am 23.03.2018 ebenfalls im Landgericht statt. Er wird an diesem Tag auch ihre Nachfolgerin in ihr Amt einführen.

(ü. Pm. – Landgericht)