Wolfgang Kubicki bei Stadtgespräche Ruhr in Essen

Wolfgang Kubicki, FDP, mit den Moderatoren Jöran Steinsiek und Dr. Richard Kiesler

Wolfgang Kubicki ist FDP Urgestein. Wobei dieser Begriff ein relativer ist, denn keine Partei in der Geschichte der BRD war je so stark in der Wechselspannung zwischen der parteieigenen Metaphysik und Personalität wie die Liberalen. So ist ein locker zwangloser Auftritt dieses Spitzenpolitikers wohl auch mehr auf die Interpretation der innerparteilichen Befindlichkeit, als auf die bekannten Ziele der vom Wähler stark gebeutelten Partei gerichtet. Vorweg, Wolfgang Kubicki hat eine Biografie verfasst und buhlt wie jeder Verfasser um seine Lebensan- und einsichten. Bei den Essener Stadtgesprächen gab es zwei Kernaussagen, die nicht neu, aber die Philosophie der Liberalen ausmachen. Notwendige Veränderungen soll die Technik erbringen, das mittelständische Klientel halte ohnehin die Latte innovativer Technik hoch, weniger Moralisierung soll die Freiheit des Einzelnen unbeschadet lassen. Eine Reflektion darauf, ob Technik und Fortschritt moralische Normen benötigt und Technik nicht a priori das Gute fürs Gemeinwohl im Auge hat, wird ausgeblendet.
Für den Umgang mit der AfD empfiehlt er Gelassenheit, da diese Partei ihren Zenit wohl langsam überschritten habe. Sachlich sei dieser mit Argumenten leicht beizukommen. Die Grünen säßen zu sehr philosophischen Fantasien auf. Auf Landesebene klappe aber die Zusammenarbeit in seiner Domäne, Schleswig-Holstein sehr gut. Weniger bekannt sei, dass die Grünen dort gemeinsam Abschiebezentren befürworten und mittragen. Die Asylproblematik sei eben noch nicht bewältigt und es bedürfe einer offenen Auseinandersetzung, die man nicht dem rechten Rand überlassen könne. Überhaupt müsse mehr und intensiver gestritten werden, Debatten früherer Jahrzehnte könnten als Vorbild wirken.
Die geladenen Essener hörten es und nahmen es mit höflich zurückhaltender Resonanz auf, offene Rückfragen aus dem Publikum waren nicht zu vernehmen. Die Veranstaltung war musikalisch von der Pianistin Daria Yuryeva, Absolventin der Essener Folkwanghochschule, untermalt. Sie findet regelmäßig im Essener ChorForum statt. Für die nächste Veranstaltung am 11. 10. wurde Wolfgang Clement angekündigt. (stk.)