Landtagspräsident besucht Alte Synagoge Essen

Oberbürgermeister Thomas Kufen hat heute (20.4.) den Präsidenten des Landtags NRW André Kuper in der Alten Synagoge Essen begrüßt.

Der Leiter des Kulturinstitutes Uri Kaufmann führte gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Martina Strehlen durch den beeindruckenden Bau und seine Ausstellungsbereiche.

Der Landtagspräsident zeigte sich begeistert von diesem einzigartigen Essener Kulturdenkmal, das zu den größten und architektonisch bedeutendsten, freistehenden Synagogenbauten Europas aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts zählt.

„Belastendes Erbe“ – Luthers Judenfeindschaft und die evangelische Kirche

Vortrag von Professor Marcel Nieden am Donnerstag, 26. Oktober, um 19 Uhr im Seminarraum der Alten Synagoge. Der Eintritt ist frei.

Dass sich die Nationalsozialisten im Dritten Reich zur Legitimierung ihrer antisemitischen Gewaltexzesse auf die späten judenpolitischen Ratschläge Luthers beriefen, stellt für Christinnen und Christen, deren religiöses Selbstverständnis dem Wittenberger Reformator wesentliche Einsichten verdankt, eine schwere Hypothek dar. Der Vortrag „Belastendes Erbe“ von Professor Marcel Nieden, Universität Duisburg-Essen, erkundet, wie die evangelische Kirche und Theologie in Deutschland nach 1945 mit dem Vermächtnis der judenfeindlichen Äußerungen Luthers umgegangen sind und das spannungsreiche Judenkonzept des Reformators gegenwärtig diskutieren.

Über den Referenten:

Marcel Nieden wuchs in Darmstadt auf und studierte evangelische Theologie in Neuendettelsau, Erlangen und Heidelberg. Er habilitierte sich in Kirchengeschichte und lehrt seit 2011 Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Historische Theologie an der Universität Duisburg-Essen.

Sefardische Lieder mit dem „Duo CoraSon“ in der Alten Syangoge

Das „Duo CoraSon“ aus Berlin gastiert am Sonntag, 22. Oktober in Essen: Gitta Hübner und Martin Lenz spielen sefardische Lieder: „Die Lieder, zu denen es uns besonders hinzieht, und die gewissermaßen das Herzstück unseres Repertoires bilden. Sefarad ist der hebräische Ausdruck für Andalusien oder Spanien.

Das sind Lieder aus der jahrhundertealten spanisch-jüdischen Tradition. In ihnen treffen sich auf wunderbar verdichtete Weise die Erfahrungen eines Daseins unter besonderen Bedingungen: das Leben auf fremder Erde, die dennoch Heimat wird; das Zusammenfließen mit anderen Völkern, Sprachen, Klängen…; das latente oder akute Bedrohtsein, welches immer wieder Loslassen fordert von Hab und Gut und geliebten Menschen; das starke Gewahrsein, sein eigentliches Zuhause im Geistigen zu haben, in der Sprache, in den Liedern… Diese Lieder sind wie ein edler alter Wein: gereift über viele Jahrhunderte und gewonnen aus kostbaren Zutaten. In ihnen verbinden sich arabische Rhythmen und Skalen mit spanischen Harmonien und Liedformen, und die kraftvollpoetischen Worte der spanischen Sprache mit dem jüdischen Blick auf das Leben.“

1492 stellten die kastilische Königin Isabelle und König Alfons die Juden vor die Wahl: Taufe oder Flucht. Die nach Portugal Geflüchteten wurden 1496 zwangsgetauft. Die Vertriebenen wandten sich nach Nordafrika, Italien und ins Osmanische Reich. Das Schicksal derer, die Sefarad verlassen, und das derer Nachfahren, ist unendlich vielfältig. Und zugleich hat es eine erstaunliche Gemeinsamkeit: das persönliche Gefühl, s e f a r d i s c h e r Jude zu sein, die Sehnsucht nach der schönen alten Heimat wird über unzählige Generationen bis ins 20. Jahrhundert mitgenommen, zusammen mit den alten Bräuchen und Liedern und dem mittelalterlichen Spanisch, Ladino genannt.

Über das „Duo CoraSon“:

Gitta Hübner und Martin Lenz studierten an der Humboldt-Universität zu Berlin (Musikerziehung/ Kultur-und Musikwissenschaft). Sie leben heute als freiberufliche Künstler in Berlin und arbeiten auf verschiedenen Gebieten und in unterschiedlichen Projekten. Ihr Duo hat sich seit 2010 zu ihrem künstlerischen Herzensprojekt entwickelt, das sie in Konzertsäle, Kirchen, Synagogen und bis nach Granada/ Andalusien ins Centro Memoria Sefardí geführt hat.

Sonntag, 22. Oktober, um 17 Uhr im Hauptraum der Alten Synagoge. Der Eintritt ist frei.

Corazon (span. Herz) und Sonido (span. Klang) ergibt CoraSon. Mehr unter www.corason.de.

CD: Duo CoraSon, Liebeslieder, Berlin 2015.

„Ein deutscher Blick auf Polen heute“ im „Donnerstagsgespräch“ der Alten Synagoge mit Professor Werner Benecke

In der Reihe „Donnerstagsgespräch“ der Alten Synagoge Essen wirft Professor Werner Benecke, Europa Universität Viadrina, Frankfurt an der Oder, am Donnerstag, 7. September, einen „deutsche[n] Blick auf Polen heute“:

In Folge der politischen Wende nach 1989 hat sich Polen stark verändert. Der Beitritt zur Europäischen Union (2004) und zur Nato (1999) verändern Wirtschaft und Gesellschaft. Die Beziehung des demokratischen Polen zur Vergangenheit muss neu erarbeitet werden. Vor 1939 waren zehn Prozent der Gesamtbevölkerung und ein Drittel der Warschauer jüdisch. Wie stellt man sich in Polen heute zu diesem Teil der polnischen Geschichte?

Politische Lager bildeten sich nach 1990 aus. Heute ist eine konservative und national gesinnte Regierung an der Macht. Ihr Vorgehen im letzten Jahr bezüglich der Justiz und der Presse hat vielerorts Aufsehen erregt. Eine konservativ inspirierte Veränderung des Abtreibungsgesetzes wurde durch massive Proteste von Frauen jüngst gestoppt: Wie sind diese Veränderungen der politischen Landschaft Polens zu beurteilen? Wie steht die neue Regierung zu Deutschland? Wie will sie Einfluss auf die Darstellung der Geschichte nehmen: Wie sind die Vorfälle um das neue Museum in Danzig zu bewerten? Wir hat sich das Bild der Polen von den Deutschen seit 1990 entwickelt?

Professor Werner Benecke wurde in Braunschweig geboren und studierte in Göttingen, wo er auch habilitierte. Er lehrt seit 2006 an der Europa Universität Viadrina-Frankfurt an der Oder zu Gegenständen der mittel- und osteuropäischen Geschichte im polnisch-russisch-deutschen Kontext. Seine Universität kooperiert eng mit polnischen Akademien und hat viele Studierende aus Polen.

Am Donnerstag, 7. September, um 19 Uhr im Seminarraum der Alten Synagoge. Der Eintritt ist frei.

„50 Jahre nach dem Sechs-Tage-Krieg“ – Donnerstagsgespräch in der Alten Synagoge

In der Reihe „Donnerstagsgespräch“ in der Alten Synagoge referiert Karl H. Klein-Rusteberg über „50 Jahre nach dem Sechs-Tage-Krieg – Deutsche Wahrnehmungen Israels im Lichte der historischen Zäsur 1967“.

Nicht allein für die Nahost-Region gilt der Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 als tiefer geschichtlicher Einschnitt. Mit den Ergebnissen des Krieges verändert sich die Wahrnehmung der Nahost-Region, der arabischen Staaten und Israels weltweit.

Mit dem Blick auf Israel sind die Gesellschaften und politischen Gemeinwesen des Westens auch auf ihre Selbstwahrnehmung zurückgeworfen. Im Verhältnis zu Israel als jüdischem Staat spiegelt sich immer auch das Verhältnis des modernen, Nach-Holocaust-Deutschland zu sich selbst. Mit den Umbrüchen der Nahost-Region durch den Sechs-Tage-Krieg verändert sich das Verhältnis Deutschlands zu Israel.

Mit dem Krieg und seinen Folgen gerät das geschichtliche Muster der Interpretation der Konflikte in Nahost mehr und mehr zu einer Deutung eines Konfliktes zwischen „Erster“ und „Dritter“ Welt. In der (weltweiten) öffentlichen Wahrnehmung wird Israel mehr und mehr vom „David“ zum „Goliath“ (des Westens).

Diesem Wandel in der Wahrnehmung geht der Referent in seinem Vortrag nach und fragt, inwiefern die Zeit nach dem historischen Kalten Krieg – also nach 1989/91 – abermals das Bild Israels und die Politik gegenüber Israel beeinflusst oder gar weitreichend verändert hat. Der Sechs-Tage-Krieg als Zäsur der Nachkriegsgeschichte ist auch hierfür ein Ausgangspunkt.

Am Donnerstag, 29. Juni, um 19 Uhr im Seminarraum der Alten Synagoge. Der Eintritt ist frei.

Lesung in der Alten Synagoge Essen: Gilles Rozier

Am Donnerstag, 8. Juni, geht Gilles Rozier der Geschichte der jiddischen Sprache und Literatur im „Jiddischland“ (historisches Sprachgebiet der jiddischsprachigen osteuropäischen Juden) nach. Er liest ab 19 Uhr im Seminarraum der Alten Synagoge Essen aus seinem Roman „Im Palast der Erinnerung“ und stellt den in 2014 mit Anne-Sophie Dreyfus gegründeten französischen Verlag für jiddische Literatur, L’antilope, vor.

In seinem Roman erzählt der französische Autor Gilles Rozier die Geschichte der jiddischen Literatur vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Es ist die Geschichte der versuchten Emanzipation einer Sprache in Osteuropa und dann später auch in Israel. Eine Abschiedssymphonie? Das allgemeine Interesse an seinem Buch sowie seine Arbeit als Verleger lassen die Hoffnung wiederaufkommen, dass die jiddische Sprache zu neuem Leben kommen könnte.

Gilles Rozier ist Schriftsteller und Übersetzer. Seine Begeisterung für die Jiddische Sprache führte ihn zur Promotion in jiddscher Literatur. Er war bis 2014 Direktor des Pariser Hauses für jiddische Kultur, bevor er im selben Jahr den Verlag L’antilope mitgründete.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Französisch statt.

(ü. Pm.)

Veranstaltungen in der Alten Synagoge

Am 23. April tragen Franziska Hahn und Mitwirkende einen Liederabend über Heinrich Heine vor, am 27. April wird Prof. Christian Wiese über die jüdische Lektüre von Martin Luther im 19. Jahrhundert (Ludwig Börne und Heinrich Heine u.a.) sprechen und am 29. April wird ein hochkarätiges Streichertrio Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Ernst von Dohnany aufführen. Letzteres ist eine freundliche Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer von Theater und Philharmonie Essen.

mehr zu den Veranstaltungen:

April_Konzert Heirich Heine

April_Wiese_Lektüre_ Martin Luthers April_Konzert Streichtrio_2 April_Konzert Heirich Heine

April_Konzert Streichtrio_2

(ü. Pm.)

Vortrag in der Alten Synagoge Essen: „Grüne Politik: Israels Beitrag zur Nachhaltigkeit von Wasser Ressourcen“

Ram Aviram, Botschafter a.D., wird am Donnerstag, 23. März, 19 Uhr, Edmund-Körner-Platz 1, im Seminarraum einen Vortrag zum Thema „Grüne Politik: Israels Beitrag zur Nachhaltigkeit von Wasser Ressourcen“. Der Eintritt ist frei. Der Vortrag wird aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Israel ist ein Land mit wenig Niederschlägen. Die Bevölkerungszahl aber ist in den letzten fast siebzig Jahren seit der Staatsgründung gewachsen. Über 10 Millionen Menschen wohnen in Staat Israel und den Besetzten Gebieten. Wissenschaftliche Forschung hat Israel zu einer führenden Stellung im Bereich der Nachhaltigkeit im Verbrauchen von Wasser gemacht: Süßwassergewinnung aber auch Bewässerung mit Brauchwasser, computergesteuerte Tropfen-Irrigation von Nutzpflanzen (Bewässerung) sind nur Stichworte. Sogar feindlich eingestellte Nachbarstaaten sind an diesen Technologien interessiert. Botschafter Ram Aviram kann durch seine politische Tätigkeit hinter den Kulissen der Weltpolitik aus erster Hand Unbekanntes berichten.

Ram Aviram ist in Israel aufgewachsen machte im Außenministerium Karriere. Er war Leiter der Wasser und Umwelt-Abteilung und später des Büros des damaligen Außenministers Shimon Peres. Er diente als Botschafter in Griechenland. Er hat im damaligen Friedensprozess mit den Palästinensern maßgeblich die Verhandlungen in Wasserfragen geleitet. Er betreut zur Zeit auch das Renaturierungsprojekt für den unteren Lauf des Jordanflusses und unterrichtet auch an der Tel Hai-Hochschule für Post-Graduierte. Seit 2006 hat er zudem eine Beratungsfirma zu Wasserfragen gegründet (BIT-Consultancy) und widmet sich innovativen Wasserprojekten. Er ist dabei weltweit unterwegs.

(ü. Pm.)

„Generation Allah“ – Vortrag von Ahmad Mansour in der Alten Synagoge

Ahmad Mansour, Psychologe und Islamismus-Experte, plädiert für eine innere Reform des Islam. Es müsse eine innerislamische Debatte um Glaubensinhalte und Selbstverständnis eines zeitgemäßen Islam initiiert werden.

Die islamischen Verbände distanzierten sich zwar von der Gewalt, und beteiligen sich auch an Präventivprogrammen, sind aber nicht willens „eigene Inhalte infrage und sich den eigenen Problemen (zu) stellen.“ Es fehlen so die geistlichen Vorbilder, die für einen unzweideutig demokratischen Islam stehen. Eine patriarchal-konservative Familienstruktur begünstige mit Angstpädagogik, Sexual- und Kritikunterdrückung, einem stereotypen Frauen- und Männerbild, dass junge Menschen von radikalen Gruppierungen vereinnahmt werden können. Ebenso fördere die hier tradierte Fixierung auf eine vermeintliche Opferrolle von islamischen Gläubigen in der westlichen Welt und dem entsprechenden Feindbild den Zugriff radikaler Islamisten.

Seit 2013 arbeitet er auch bei „Hayat“, einer Berliner „Beratungsstelle gegen Radikalisierung“. Hayat richtet sich an alle, die sich um einer Zuneigung von Angehörigen oder Bekannten zum Islamismus Sorgen machen. Mansour kann sich in den Medien häufig über den politisch-religiösen Radikalisierungsprozess äußern, so etwa über die Anziehungskraft des syrischen Bürgerkriegs auf radikale Jugendliche oder mit seinen Erfahrungen als Berater bei Hayat. Mansour hält die verstärkte Radikalität unter muslimischen Jugendlichen für ein Phänomen, das teilweise mit Jugendkultur zu vergleichen sei. Mit dem Begriff „Generation Allah“ spricht er von einer aktuellen jugendlichen Tendenz, die Identität aus der Religion zu schöpfen. Bei der Radikalisierung von Jugendlichen spielt laut Mansour die Tabuisierung von Sexualität eine Schlüsselrolle. Mansour ist Sprecher des 2015 gegründeten Muslimischen Forums Deutschland, das sich als Alternative zu den bestehenden Islam-Verbänden versteht.

Zum Referenten:

Ahmad Mansour wurde 1976 als Sohn arabischer Israelis im Dorf Tira bei Kfar Saba geboren. Er wuchs in einer muslimischen Familie auf. Während seiner Schulzeit kam er in Kontakt mit einem fundamentalistischen Imam, wodurch er beinahe zu einem Islamisten wurde. Sein Psychologiestudium (1996–1999) in Tel Aviv half ihm dabei, sich vom Islamismus zu lösen. Nachdem er einen Anschlag miterlebt hatte, ging er 2004 nach Deutschland. 2005 setzte er sein Studium in Berlin fort. Heute arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für demokratische Kultur in Berlin und als beratender Programmdirektor bei der Europäischen Stiftung für Demokratie in Brüssel. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Salafismus, Antisemitismus sowie psychosoziale Fragen und Probleme bei Migranten muslimischer Herkunft. Er war bis 2016 Gruppenleiter des Berliner Antigewalt-Projekts HEROES, die sich aktiv gegen jede „Unterdrückung im Namen der Ehre“ wenden.

(ü. Pm.)

Vortrag über „Judentum und Ökologie“ in der Alten Synagoge Essen

Der Rabbiner Ruven Bar Ephraim, Jüdische Liberale Gemeinde Or Chadasch Zürich, wird am Donnerstag, 23. Februar, um 19 Uhr im Seminarraum der Alten Synagoge Essen, Edmund-Körner-Platz 1, einen Vortrag über „Judentum und Ökologie“ halten. Der Eintritt ist frei.

Die Hebräische Bibel – oder wie Christen es nennen, das „Alte Testament“ – ruft zur Fruchtbarmachung der Erde und zu ihrer Bewahrung auf. Mit den Ressourcen ist schonend umzugehen. Haustieren etwa ist ebenfalls ein Ruhetag zuzubilligen. Jungvögel darf man nicht aus ihrem Nest stehlen oder das Lamm nicht in der Milch seiner Mutter kochen.
Ein Hauptanliegen des liberalen Judentums ist die „Verbesserung der Welt“, der „Tikkun Olam. Was bedeutet dies heute? Aus welchen rabbinischen und späteren Quellen speist sich diese Weltanschauung? Jahrhundertlang waren Juden eine Minderheit: Sollen sie sich in aktuelle politische Debatten der Mehrheitsgesellschaft einbringen?‘
Moderne jüdische Inhalte sind deutschen Medienschaffenden kaum bekannt: Judentum wird allenfalls mit der NS-Vernichtung verbunden. Ist aber nicht gerade die jüdische Idee von der Unerlöstheit der Welt eine Triebfeder moderner ökologischer Bewegungen?

Zum Referenten:
Rabbiner Ruven Bar Ephraim wurde 1959 in Amsterdam geboren und wanderte 1978 nach Israel aus, wo er im Jahr 1992 sein Studium der Bibelwissenschaften und der jüdischen Geschichte an der Hebräischen Universität von Jerusalem beendete. Ein Jahr später erlangte er den Master of Hebrew Letters des Hebrew Union College – des liberalen Rabbinerseminars – und erhielt seine Ordination. Er war in verschiedenen liberalen jüdischen Gemeinden Rabbiner, darunter in Nahariya und in Den Haag. Seit 2007 ist er Rabbiner in der jüdischen liberalen Gemeinde Or Chadasch in Zürich. Seit 2016 ist er Vorsitzender der European Rabbinical Assembly (ERA), des Verbandes liberaler, progressiver und Reformrabbiner in Europa. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder.

(ü.Pm.)

Konzert anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

Am 27. Januar um 19 Uhr findet in der Alten Synagoge ein Konzert anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz statt. Der Eintritt ist frei.

Die Projektregie hat Graham Waterhouse übernommen, der als Komponist und Cellist in München ansässig ist. Unterstützt wird er von Tatiana Sikorskaja , Klavier, und dem Konzertmeister der Duisburger Symphoniker Önder Baloglu an der Violine. Alle drei sind ehemalige Studenten der Folkwang Universität der Künste. Den Klarinettenpart hat Hans-Joachim Büsching übernommen, Soloklarinettist des Bonner Symphonie-Orchesters.

Als Einleitung spielen sie zwei Sätze aus der „Serenade“ des verfolgten jüdischen Komponisten Hans Gal (1890-1987).

Als Hauptakt spielen sie Olivier Messiaen „Quatuor pour la fin du temps“. Legenden und Gerüchte umranken die Entstehung dieses „Quartetts für das Ende der Zeiten“, das als eines der Schlüsselwerke der Neuen Musik gilt. Messiaen schrieb es 1940/41 in deutscher Kriegsgefangenschaft in einem Gefangenenlager in Görlitz.

Im Anschluss an das Konzert hält Professor Matthias Brzoska einen Vortrag mit Lichtbildern mit dem Titel „Messiaen‘s Quartett: Legende und Wahrheit“.

Jüdisches Leben zur Zeit Martin Luthers“ – Vortrag von Friedrich Battenberg

Das 16. Jahrhundert ist eine Wendezeit für die Juden Mitteleuropas. Sie waren bis 1520 aus fast allen Städten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie aus Spanien und Portugal vertrieben worden und siedelten sich auf dem Lande, im großen Königreich Polen-Litauen, und in Norditalien an. Was bedeutet das Auftreten der Reformatoren für die Juden? Wie nahmen sie diese wahr? Wie war das jüdische Leben organisiert? Wie verteidigten die Juden sich gegen christliche theologische Anwürfe? Welche Auswirkungen hatte die Reformation auf die Juden Mitteleuropas? Wie griffen die Herrscher in jüdisches Leben ein?

Zum Referenten:

Professor Friedrich Battenberg wurde im hessischen Erbach geboren. Sein rechtswissenschaftliches Studium an der Universität Frankfurt und sein Referendariat schloss er mit Assessorexamen und einer Promotion zur Justizgeschichte ab. 1984 erwarb er die Venia Legendi für mittelalterliche und neuerer Geschichte; 1989 wurde er zum Außerordentlichen Professor an der TH (heute TU) Darmstadt ernannt. Er absolvierte eine Archivarausbildung und leitete schließlich bis 2011 das Staatsarchiv Darmstadt. Professor Friedrich Battenberg ist ein Kenner der Rechtsgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Er arbeitete am Standardwerk Germania Judaica III, einem dreibändigen Lexikon der jüdischen Gemeinden des Spätmittelalters, maßgeblich mit und publizierte den großen Überblick „Das Europäische Zeitalter der Juden“ (Darmstadt 1990), das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Die Einführung übernimmt Professor Stefan Brakensiek, Historisches Institut der Universität Duisburg-Essen.

Donnerstag, 12. Januar, um 19 Uhr im Seminarraum der Alten Synagoge. Der Eintritt ist frei.

(ü. Pm.)