Neuer Forschungsverbund des Universitätsklinikums Essen

Die Tumorforschung und Tumortherapie sind bereits seit Jahren eine Säule des Essener Universitätsklinikums. Mit dem Westdeutschen Tumorzentrum als einzigem Onkologischen Spitzenzentrum in der Metropolregion Ruhr arbeiten Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 40 Kliniken und Instituten in fachübergreifenden Behandlungsprogrammen am Standort Essen zusammen.

Der neue Krebsforschungsverbund mit dem Universitätsklinikum Köln bildet einen weiteren Meilenstein, die medizinische Versorgung sowie die Forschung und Lehre im Bereich der Krebsmedizin auszubauen.

„Für die Essenerinnen und Essener bedeutet der neue Verbund, dass in unserer Stadt neueste Therapien angewendet werden. Darüber hinaus wird die medizinische Forschung weiter vorangetrieben und deren Ergebnisse in die medizinische Versorgung vor Ort getragen“, so Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Für den Medizinstandort Essen bedeutet der Zusammenschluss, einen wichtigen Austausch für die bereits bestehenden Onkologischen Arbeitskreise in Essen mit zwei so renommierten Instituten.“

Die Tumortherapie ist heute eine ganz individuelle Therapie, die aus unterschiedlichen medizinischen Bausteinen besteht. Der neue Krebsforschungsverbund wird sich zukünftig dafür einsetzen, Forschungen voranzutreiben und die Ergebnisse den Patientinnen und Patienten zukommen zu lassen.

(ü. Pm.)

Tuberkulose, Masern, Krätze und Impfungen – das Gesundheitsamt rät zur Achtsamkeit

Unser letzter Artikel zum Anstieg der Tuberkulosezahlen führte zu vielen Nachfragen, denn die Angst vor Infektionen besteht. Wir sprachen deshalb mit Dr. med. Reiner Kundt, Leitender Amtsarzt des Gesundheitsamtes Essen, über die von den Krankheiten ausgehende Bedrohung.

Dr. med. Rainer Kundt, Leitender Amtsarzt, Gesundheitsamt Essen

 

PCB-Belastung in Kray – Umweltamt, LANUV und Bezirksregierung Düsseldorf informieren

Ende Juli veröffentlichte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) die Ergebnisse der Grünkohluntersuchungen aus dem Jahr 2016 im Umfeld der ehemaligen Firma Richter. In einer Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger, die bewusst außerhalb der Sommerferien in NRW stattfindet, möchte die Stadt Essen gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des LANUV NRW sowie der Bezirksregierung Düsseldorf nun alle betroffenen Essenerinnen und Essener zur PCB-Belastung in Kray informieren.

Am Mittwoch, 6. September, um 18 Uhr, werden im Rathaus Kray, Kamblickweg 27, die Ergebnisse der Grünkohluntersuchungen an den Messstellen in Kray aus dem Jahr 2016 vorgestellt und erläutert. Darüber hinaus stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirksregierung Düsseldorf und des Umweltamtes den derzeitigen Sachstand für die Betriebsgelände an der Joachimstraße und Rotthauser Straße nach Insolvenz der ehemaligen Firma Richter dar und zeigen Zukunftsperspektiven für beide Gelände auf. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Expertinnen und Experten der teilnehmenden Institutionen zu weiteren Aspekten des Themenkomplexes zu befragen.

Bundesweiter Anstieg von Tuberkulosefällen (TBC)

Seit zwei Jahren wird bundesweit ein Anstieg bei Tuberkulosefällen festgestellt. Die schwere Erkrankung ist im öffentlichen Bewusstsein schon fast in Vergessenheit geraten. Der jetzige Anstieg der meldepflichtigen Erkrankung wird auf die Migrationsbewegungen zurückgeführt. Bundesweit erkranken statistisch 7,3 Personen pro 100000 Einwohner. Vor 2014 nahm die Erkrankungsrate stetig ab. Problematisch war die TBC in der Nachkriegszeit, als die durch Entbehrung gezeichneten Menschen besonders anfällig waren. Ähnliches kann von der heutigen Krankheitsgruppe ausgesagt werden, denn oft sind Menschen durch ihr Fluchterleben geschwächt.

Der ärztliche Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Essen, Dr. Rainer Kundt:

„Es wurden folgende Fälle von Tuberkulose gemeldet:

2013/2014 jeweils 44 Fälle
2015 – 56 Fälle
2016 – 52 Fälle
2017 bisher 37 Fälle
Es wurde hier ein Anstieg der Krankheitsfälle seit dem Jahr 2015 registriert, zurückzuführen ist dies auf die Flüchtlinge, die in der Stadt leben. Auch die Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes / der Bezirksregierung untergebracht sind, werden beim Gesundheitsamt der jeweiligen Stadt gezählt. In Deutschland gab es jahrelang eine durchschnittliche Anzahl von Neuerkrankungen von etwa 4300 Fällen pro Jahr, in 2017 wird mit einer Fallzahl von über 6000 gerechnet.“

Die Tuberkulose, früher auch Schwindsucht genannt, wurde von Prof. Robert Koch entdeckt. In Berlin findet sich noch ein Hinweisschild auf die erste Veröffentlichung.

 

Auch in Gegenden mit geringerer Besiedelung ist dieses Phänomen zu beobachten. So bereitet sich beispielsweise der Landkreis Aurich in Norddeutschland intensiv auf eine Information der Öffentlichkeit vor und versucht mit einem Informationsblatt die Bevölkerung zu senisbilisieren. Dort hatte man 2014 fünf Fälle, 2015 bereits 10 und 2016 neun Fälle. In diesem Jahr sind es schon fünf Akuterkrankte und vier Verdachtsfälle.

Ältere Essener erinnern sich noch an den Begriff „Licht- und Luftbad“, Koch hielt nämlich die Bewegung in Luft und Sonne für eine Behandlungsbasis, worauf diese alte Briefmarke der Freien Stadt Danzig hinwies.

Weitere Informationen zur Tuberkulose: 

Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose

DAHW

alles zur Tuberkulose

zur Geschichte der Krankheit

(stk.)

 

Wissenschaftler im Ruhrgebiet starten neues Verbundprojekt zur Krebsforschung

(idr). Mediziner der Universität Duisburg-Essen haben zusammen mit Kollegen der Universitäten Wuppertal und Bochum sowie der Lead Discovery Center GmbH Dortmund ein Verbundprojekt zur Bekämpfung von Ras-abhängigen Tumoren gestartet. Das Land NRW fördert das Krebs-Forschungsvorhaben mit 1,7 Millionen Euro aus EU-Mitteln.
Jeder dritte Tumor ist von Mutationen in Ras-Genen betroffen. Dazu gehören häufige Krebsformen wie Magen-, Darm-, Haut- und Lungenkrebs, für die bisher keine ausreichende Therapie existiert. Als vielversprechend erwies sich der Versuch, die Ras-Proteine pharmazeutisch zu hemmen. Für das Forschungsprojekt setzen die Wissenschaftler auf eine Kombination aus molekularbiologischen Methoden, chemischem Wirkstoffdesign, Aufklärung von Proteinstrukturen und medizinischen Testsystemen. Ziel ist es, nebenwirkungsärmere Medikamente gegen Krebserkrankungen zu schaffen.

Magersucht kann genetische Ursachen haben

Meist werden psychische Ursachen für Magersucht verantwortlich gemacht. Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Medizinern der Universität Duisburg-Essen hat jetzt erstmals nachgewiesen, dass Patienten auch eine Veranlagung dazu haben können.

Ausgemacht wurde das Gen, das Magersucht (Anorexia nervosa) begünstigt. Das Gen wurde auf dem Chromosom zwölf entdeckt, einer Region, die bereits mit Diabetes mellitus Typ 1 und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht wird. Magersucht könnte so mit weiteren Erkrankungen verknüpft sein, etwa mit Schizophrenie. Die Gene, die dafür empfänglich machen, überlappen sich. Die neuen Erkenntnisse können das bisherige Verständnis von Magersucht nachhaltig verändern: Eine psychiatrische Störung mit einem physiologischen Hintergrund eröffnet neue Therapieoptionen.

(ü. Pm.)

Masernerkrankungen in Essen – Impfstatus überprüfen – Todesfall einer 37-Jährigen Essenerin

Nicht nur in Nordrhein-Westfalen, auch in Essen werden derzeit vermehrt Masernerkrankungen gemeldet. Dem Gesundheitsamt der Stadt Essen sind derzeit 31 Krankheitsfälle bekannt, die Dunkelziffer ist allerdings unbekannt. Nachdem es am vergangenen Wochenende einen Todesfall einer 37-Jährigen Essenerin in Folge des Masern-Virus gegeben hat, rät das Gesundheitsamt der Stadt Essen dringend, den eigenen Impfstatus zu überprüfen. „Masern sind keine harmlose Kindererkrankung, sondern können bei Kindern zu Hirnhautentzündungen und bei Erwachsenen zu beispielsweise Lungenentzündun führen“, so Gesundheitsdezernent Peter Renzel. „Vor allem im Erwachsenenalter kann es zu Komplikationen kommen. Deshalb ist ein Impfschutz besonders wichtig.“

Der Virus ist leicht übertragbar und kann nicht mit beispielsweise Antibiotika bekämpft werden. Kinder, so das Gesundheitsamt, sollten immer zwei Impfungen erhalten, Erwachsene eine. Vor allem nach 1970 Geborene sollten ihren Impfschutz überprüfen und ggf auffrischen. Einen guten Überblick über den aktuellen Impfstatus gibt der eigene Impfpass. Sollte dieser nicht zur Hand sein, ist der Besuch eines Hausarztes sinnvoll.

Kinder, die nicht geimpft sind, sollten schon bei den ersten Anzeichen nicht mehr in Kita, Kindergarten oder Schule geschickt werden. Bei durchschnittlich 5.000 Kindern pro Jahrgang sind etwa fünf Prozent nicht geimpft.

Für besondere Fälle bietet das Gesundheitsamt der Stadt Essen noch bis 1. Juni immer dienstags, mittwochs und donnerstags in der Zeit von 12:30 bis 14:30 Uhr eine Impfaktion an.

Zum Hintergrund:

Masern werden durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen (Sprechen, Husten, Niesen) sowie durch Kontakt mit infektiösen Sekreten aus Nase oder Rachen übertragen.

Sie beginnen mit Fieber, Entzündung der Bindehaut, Schnupfen, Husten und einem Ausschlag an der Mundschleimhaut. Diese sogenannten Koplik-Flecken (kalkspritzerartige weiße bis blau-weiße Flecken) sind häufig eindeutige Anzeichen für die Masern.

Erkrankte Personen sollten in der akuten Krankheitsphase Bettruhe einhalten. Eine spezifische antivirale Therapie gibt es nicht. Neben fiebersenkenden Medikamenten und Hustenmitteln ist bei zusätzlichen bakteriellen Infekten eine antibiotische Therapie indiziert.

Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollte die Erstimpfung im Alter von 11 – 14 Monaten erfolgen.

Die empfohlene Zweitimpfung (die keineAuffrischimpfung ist!) soll den Kindern, die – aus unterschiedlichen Gründen – nach der Erstimpfung keine Immunität entwickelt haben, eine zweite Gelegenheit zur Entwicklung eines ausreichenden Schutzes geben.

Eine einmalige MMR-Standardimpfung für Erwachsene sollte weiterhin bei allen nach 1970 geborenen ungeimpften bzw. in der Kindheit nur einmal geimpften Personen
≥ 18 Jahre oder nach 1970 geborenen Personen ≥ 18 Jahre mit unklarem Impfstaus nachgeholt werden.

Forschung will Rückenschmerzen mit „Einbildung“ heilen

Ob Placebos gegen chronische Rückenschmerzen helfen, wollen Wissenschaftler am Universitätsklinikum Essen erforschen. Sie suchen Probanden für eine Studie am Rückenschmerz-Zentrum, um zu testen, wie sich die Behandlung mit wirkstofflosen Arzneien auf die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Muskulatur auswirkt.

Die Forscher gehen von der These aus, dass Placebos den Körper dazu animieren, eigene schmerzlindernde Opioide auszuschütten und dadurch eine Selbstheilung in Gang zu setzen. Die Untersuchung umfasst eine dreiwöchige Placebo-Therapie oder Beobachtungsphase.

Weitere Infos gibt es unter 0201/723-2439.

(ǘ. Pm., idr)

DAK-Gesundheit kritisiert Mondpreise bei Arzneimitteln

Die DAK-Gesundheit kritisiert die Preisgestaltung bei der Einführung neuer Medikamente. Nach Einschätzung der Krankenkasse bietet das aktuelle Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz (AM-VSG) kaum Möglichkeiten, die steigenden Ausgaben für Arzneimittel einzudämmen. Das AM-VSG greift sechs Jahre nach dem Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts (AMNOG) erneut regulierend in den Markt ein. Der AMNOG-Report 2017 der DAK-Gesundheit zeigt, dass dringende Versorgungsfragen auch nach Abschluss des parlamentarischen Verfahrens unbeantwortet bleiben. Dazu gehört die konkrete Umsetzung eines Arztinformationssystems, das die Ergebnisse der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel in die Praxis transferiert.

Die Arzneimittelausgaben im Gesundheitssystem steigen trotz  gesetzlicher Regularien seit Jahren. 2016 stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 36 Milliarden Euro an. Das liegt vor allem an neuen Medikamenten, deren Preisgestaltung im ersten Jahr nach der Zulassung nach wie vor ganz in den Händen der Hersteller liegt. Die im AM-VSG ursprünglich vorgesehene Umsatzschwelle wurde ersatzlos gestrichen. Auch eine rückwirkende Rabattierung, etwa auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Nutzenbewertungsergebnisses, ist nicht vorgesehen. „Unsere Forderung, Mondpreise bei neuen Arzneimitteln zu verhindern, erfüllt das neue Gesetz nicht“, erklärt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. Die Umsatzschwelle hätte in der Vergangenheit zwar nur drei Wirkstoffe erfasst. Diese machen bei der DAK-Gesundheit aber immerhin 40 Prozent des Umsatzes der seit 2011 neu zugelassenen Arzneimittel im ersten Jahr nach Markteintritt aus (rund 160 Millionen Euro). Storm: „Die Krankenkassen brauchen dringend wirksame Steuerungsmöglichkeiten, um die Arzneimittelpreise zu senken. Innovationen müssen auch in Zukunft bezahlbar bleiben.“

Neben der offenen Preisgestaltung in den ersten zwölf Monaten nach der Zulassung benennt die DAK-Gesundheit in ihrem AMNOG-Report zwei weitere wirtschaftliche Herausforderungen: Zum einen gibt es zum Beispiel bei der Behandlung krebskranker Patienten neue Kombinations-Therapien, die die Kosten weiter steigen lassen. „Immer mehr Patienten werden zusätzlich zu ihrem Medikament ein neues Arzneimittel verordnet bekommen. Daher wird es immer wichtiger, den Blick darauf zu richten, ob die damit verbundenen zusätzlichen Kosten durch einen höheren Patientennutzen wirklich abgedeckt sind“, erklärt Professor Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Universität Bielefeld und Autor des AMNOG-Reports 2017. Neue Onkologika verzeichnen laut der Analyse die höchsten Preisaufschläge: Sie sind durchschnittlich 300 Prozent teurer als bereits bestehende sogenannte zweckmäßige Vergleichstherapien.

Dazu komme, dass in bestimmten Konstellationen ein Großteil der Patienten schon im Jahr nach der Zulassung mit einem neuen Medikament behandelt werde. Bei schnellen Innovationszyklen trage der anschließend vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und den gesetzlichen Krankenkassen ausgehandelte reduzierte Erstattungsbetrag entsprechend wenig zu einer Kostensenkung bei. Das bekannteste Beispiel der vergangenen Jahre ist der Wirkstoff Sofosbuvir zur Behandlung von Hepatitis C.

Eine zentrale Neuregelung der jüngsten Gesetzesreform ist die Einführung eines Arztinformationssystems. „Wir begrüßen diesen Beschluss der Bundesregierung“, sagt DAK-Chef Andreas Storm. „Aber nur wenn die Ergebnisse der Nutzenbewertung bei den Ärztinnen und Ärzten ankommen, können sie die Versorgung im Sinne der Patienten verbessern.“ Der mangelnde Transfer der Nutzenbewertungsergebnisse ist ein zentraler Kritikpunkt im AMNOG-Report der DAK-Gesundheit: Sowohl Arzneimittel mit als auch ohne Zusatznutzen zeigen zunächst vergleichbare Verordnungsentwicklungen. So erreichen einige Wirkstoffe ohne Zusatznutzen innerhalb des ersten Jahres nach Veröffentlichung des Prüfergebnisses beachtliche Verordnungszahlen und -zuwächse. Andere Wirkstoffe mit zum Teil deutlichem Vorteil für die Patienten kommen hingegen vergleichsweise langsam in der Praxis an. Storm: „Schnelle, transparente und praxisorientierte Informationen können die Versorgungsqualität erhöhen und gleichzeitig die Kosten senken.“

Damit das neue Arztinformationssystem funktioniert, ist aus Sicht von Professor Wolfgang Greiner eine wissenschaftliche Begleitung unerlässlich: „Damit die Ergebnisse der Nutzenbewertung den Arzt bei der Therapieentscheidung unterstützen, sollte das neue Arztinformationssystem wissenschaftlich erprobt und kontinuierlich evaluiert werden. Anderenfalls werden die wichtigen Hinweise auch künftig kaum Eingang in die Versorgungspraxis finden.“

Im AMNOG-Report der DAK-Gesundheit werden 191 Nutzenbewertungsverfahren analysiert. Das Ergebnis: In 43 Prozent der Verfahren bescheinigt der G-BA keinen Zusatznutzen. In 34 Prozent aller Fälle konnte ein Zusatznutzen bescheinigt werden, in 23 Prozent lediglich für einen Teil der Patienten. Letzteres ist aufgrund eines zu vereinbarenden Mischpreises derzeit politisch besonders umstritten. Der DAK-AMNOG-Report widmet sich den damit verbundenen Versorgungsfragen in einem Schwerpunktthema.

Besonders erfolgreich schneiden neue Krebsmedikamente und Präparate zur Behandlung von Herz-Kreislauf- oder Infektionskrankheiten ab. Bis Ende 2015 haben G-BA und GKV-Spitzenverband für 70 Prozent aller neuen Wirkstoffe einen Erstattungsbetrag vereinbart. Im Schnitt betrug der verhandelte Rabatt auf den vom Hersteller festgelegten Listenpreis 20 Prozent. Das entspricht der Richtgröße, die der Gesetzgeber mit Einführung des AMNOG im Jahr 2011 avisiert hatte. Problematisch bleibt aus Sicht der DAK-Gesundheit die freie Preisgestaltung im Jahr nach der Zulassung, von der der anschließend verhandelte Rabattpreis abhängt.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten gesetzlichen Kassen in Deutschland und versichert mehr als 5,8 Millionen Menschen. 2015 gab sie 3,6 Milliarden Euro für Arzneimittel aus – das entspricht 590 Euro pro Versichertem. Nach den Ausgaben für Krankenhausbehandlungen waren Arzneimittel damit der zweitgrößte Ausgabenblock.

(ü. Pm.)
DAK-Gesundheit kritisiert Mondpreise bei Arzneimitteln

Essener Mediziner forschen an Impfstoff gegen Tumore

Mediziner der Universität Duisburg-Essen und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung haben richtungsweisende Erkenntnisse bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Tumore gewonnen.

Mithilfe eines in Argentinien verwendeten Mittels konnten sie in Krebsmodellen zeigen, dass stimulierte Immunzellen Krebszellen abtöten können. Der Impfstoff wurde ursprünglich für die Bekämpfung einer Infektionserkrankung entwickelt. Er vermehrt sich in den Tumorzellen und lockt die Immunzellen zum Tumor. So wurde dessen Wachstum behindert; teilweise bildet er sich sogar ganz zurück. In einer klinischen Studie soll nun die Wirksamkeit des Medikaments überprüft werden.

Frauen häufiger von Herzklappenerkrankungen betroffen

Herzerkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Während von einem Herzinfarkt eher Männer betroffen sind, liegen Frauen bei typischen Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz und Herzklappenerkrankungen (z.B. Mitralinsuffizienz) weit vorne. Die gute Nachricht: Der gerade veröffentlichte Herzbericht 2016 der Deutschen Herzstiftung bestätigt eine sinkende Sterblichkeitsrate in Deutschland aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Grund dafür ist eine bundesweit sehr gute herzmedizinische Versorgung, die ständig weiter ausgebaut wird. Momentan erleben insbesondere schonendere minimalinvasive Behandlungsoptionen für Herzklappenerkrankungen eine dynamische Entwicklung. Eine stetige Verfeinerung und Möglichkeit zur Kombination der neuen Techniken sowie die wachsende Routine in ihrer Anwendung ermöglichen eine immer erfolgreichere Patientenversorgung.

Laut Deutschem Herzbericht 2016 zeigen die Auswertungen aus dem Jahr 2014 eine Zahl von knapp 210.000 Deutschen, die aufgrund von koronaren Herzkrankheiten, Herzklappenkrankheiten, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und angeborenen Fehlbildungen verstorben sind. Besonders auffallend dabei: 111.000 Frauen waren betroffen, im Vergleich zu 97.000 Männern. Diese Zahl ergibt sich insbesondere aus dem durchschnittlich höheren Lebensalter von Frauen. Erfreulicherweise ist jedoch die Sterblichkeitsrate insgesamt gesunken.

Insbesondere ältere Patienten profitieren von minimalinvasiven Behandlungsoptionen
Trotz einer geringeren Anzahl von Todesfällen hat allerdings die Zahl der herzchirurgischen Eingriffe nicht abgenommen. So ist die Häufigkeit eines operativen Ersatzes von Herzklappen beispielsweise nahezu unverändert. Gleichzeitig haben jedoch schonendere, minimalinvasive Behandlungsoptionen an Bedeutung gewonnen. Der Grund: Viele Patienten die unter einer Herzklappenerkrankung leiden, haben ein fortgeschrittenes Lebensalter oder eine zusätzliche Krankheit und sind deshalb für einen offenen Eingriff am Herzen nicht geeignet. Umso wichtiger ist der ständige Ausbau der Versorgungsmöglichkeiten, um auch diesen Patienten zukünftig eine noch höhere Lebenserwartung und bessere Lebensqualität zu garantieren.

Entwicklung für eine optimiert Patientenversorgung geht weiter
Eine dynamische Entwicklung erleben deshalb zurzeit minimalinvasive Operationsmethoden wie z.B. das Einsetzen einer künstlichen Herzklappe (TAVI) oder eines Clips (MitraClip) zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen wie der Aortenklappenstenose oder der Mitralinsuffizienz. Bei diesen Verfahren werden katheterbasierte Systeme durch die Vene zum Herzen vorgeschoben, um eine Reparatur oder einen Ersatz der erkrankten Herzklappe durchzuführen. Diese neuen, perkutanen Verfahren können die Herzfunktion des Patienten deutlich und nachhaltig verbessern (weitere Informationen siehe auch
www.herzklappenhilfe.de).

Auch der Deutsche Herzbericht 2016 bestätigt eine dynamische Entwicklung bei dem interventionellen Therapieansatz inklusive der Implantation von Klappenprothesen in Mitralposition für die Mitralklappenfehler. Ergebnisse aus früheren Untersuchungen mit dem MitraClip (wie zum Beispiel der EVEREST-Studie) seien in großen Registern gerade auch aus Deutschland mittlerweile stark verbessert worden, wohl als Ausdruck der Lernkurve mit der neuen Technik. Mit der zunehmenden Etablierung der Methoden, die in Verbindung mit dem Verfahren genutzt werden, sei deshalb laut Herzbericht von einer weiteren Verbesserung der Behandlungsergebnisse auszugehen.

Der Deutsche Herzbericht 2016
Der 28. Deutsche Herzbericht 2016 vermittelt eine umfassende und aktuelle Übersicht der kardiologischen und herzchirurgischen Versorgung in Deutschland. Der Auswertung und Interpretation geht eine Bestandaufnahme der Morbidität und der Mortalität der häufigsten Herzkrankheiten voraus. Der Bericht wird seit 2011 jährlich von der Deutschen Herzstiftung für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK), der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologen (DGPK) erstellt und publiziert. Weitere Informationen finden Sie unter
www.herzstiftung.de/herzbericht.

(ü. Pm.)

 

Essener Neurologe forscht an innovativer Schlaganfall-Therapie

Wirksamere und weniger riskante Schlaganfalltherapien sind das Ziel von Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz. Der Neurologe in der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) am Universitätsklinikum Essen verfolgt innovative therapeutische Ansatzpunkte für den durchblutungsbedingten (ischämischen) Schlaganfall. Die Corona- Stiftung im Stifterverband unterstützt das Vorhaben in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 700.000 Euro.
Der Bedarf ist groß: In Europa sterben jedes Jahr eine halbe Million Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls. Wer überlebt, leidet meist an körperlichen Behinderungen. Eine gestörte Hirn-Durchblutung löst den ischämischen Schlaganfall aus. Mit schnell verabreichten blutverdünnenden Medikamenten besteht die Chance, das Blutgerinnsel aufzulösen. Weil dabei jedoch die Blutungsgefahr steigt, eignet sich diese Therapie nur für etwa 15 Prozent aller Betroffenen. Bitter ist zudem, dass erlittene Hirnschäden meist nicht geheilt werden können, auch nicht in der anschließenden Reha.

Professor Kleinschnitz: „Unsere Idee stellt vieles auf den Kopf, denn wir setzen bei den kleinsten Blutgefäßen im Gehirn an.“ Weil sie sich nämlich bei einem Schlaganfall verändern, werden die Blutplättchen (Thrombozyten) aktiv. Zusammen mit der plasmatischen Blutgerinnung und den T-Zellen aus der Immunabwehr lösen sie weitere Durchblutungsstörungen, Gehirnödeme und Entzündungen im vorgeschädigten Gehirn aus.

Wenn man diesen Mechanismus in einem bestimmten Bereich der plasmatischen Blutgerinnung blockiert, sinkt das Schlaganfall- und das Blutungsrisiko aus der bisherigen Medikamententherapie. Eine ebenso vielversprechende Wirkung haben im Übrigen die T-Zell-Blocker, so Kleinschnitz. Bis allerdings Schlaganfallpatienten von den neuen Erkenntnissen profitieren können, wird es noch dauern. Zunächst muss noch geklärt werden, welche der beiden Varianten erfolgreicher ist und wie der Mechanismus funktioniert.

Unterstützt wird die AG dabei von Prof. Dr. Matthias Gunzer vom Institut für Experimentelle Immunologie und Bildgebung und dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie unter Leitung von Prof. Dr. Michael Forsting. Dort wird der Verlauf eines Schlaganfalls über wiederholte MRT-Messungen beobachtet und mit Verhaltenstests verglichen.

Da Faktoren wie das Alter, Geschlecht, Bluthochdruck oder Übergewicht das Schlaganfallrisiko und die Therapie beeinflussen, muss die Wirkung und Sicherheit der vielversprechenden Therapie im Zusammenspiel mit den Risikofaktoren getestet werden. Deshalb arbeiten die Wissenschaftler auch mit der Westdeutschen Biobank Essen zusammen, die sie mit Proben versorgt und ihre Proben einlagert.

Außerdem nehmen die Forscher auch die Herzfunktion in den Blick. Denn seit langem ist bekannt, dass sich Hirn und Herz gegenseitig stark beeinflussen. Nach einem Schlaganfall kann sich z.B. die Herzfunktion ändern. Die Forscher kooperieren deshalb eng mit Prof. Dr. Tienush Rassaf, Leiter der Klinik für Kardiologie und Angiologie.

(ü. Pm.)